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Ich will nicht mehr als Erzieherin arbeiten: Was kann ich tun?

Ich will nicht mehr als Erzieherin arbeiten
Verfasst von Daniel Duddek

Ich will nicht mehr als Erzieherin arbeiten – manchmal bringt ein Job sehr große Belastungen mit sich, sodass jemand seinen Beruf nicht mehr ausüben möchte. Häufig passiert das bei Arbeiten, die körperlich oder psychisch belastend sind.

Auf die Arbeit in der Kita kann beides zutreffen. Schreiende Kinder, Stress bei der Versorgung der Heranwachsenden und Rückenschmerzen durch das Hochheben der Kleinsten. Es ist verständlich, wenn du dann darüber nachdenkst, nicht mehr in deinem Beruf arbeiten zu wollen.

Manchmal sind es auch die Umstände, die zu dieser Erkenntnis führen. Bei einer Ausbildung oder Umschulung im Hinblick auf Kinderbetreuung sind die meisten zukünftigen Kita-Mitarbeiter noch motiviert. 

Der Alltag sieht jedoch meist aus, sodass nur wenig Zeit ist, die Heranwachsenden wirklich zu fördern und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. 

Denn eine Kita muss wirtschaftlich rentabel sein. Darum kommen auf einen Kita-Mitarbeiter rund fünf bis zehn Kinder – viel zu viele, wenn du dich wirklich intensiv um die Heranwachsenden kümmern möchtest. 

Bevor du eine Weiterbildung beginnst, solltest du dich über die verschiedenen Möglichkeiten und Berufsfelder gut informieren. Es hat zum Beispiel wenig Sinn, wenn du nicht mehr in der Kita tätig sein möchtest und dann eine Umschulung zum Kinderpfleger beginnst. 

Mache dir bewusst, mit welcher Zielgruppe du zukünftig zusammenarbeiten möchtest und wie dein Arbeitsalltag aussehen sollte. Anschließend kannst du dich für eine entsprechende Weiterbildungsoption entscheiden. 

Gründe für die Unzufriedenheit

Erzieherinnen tragen jeden Tag große Verantwortung und müssen Ansprüchen von verschiedenen Seiten gerecht werden. Ebenso erfordert das Planen von Aktivitäten viel Energie und können zu einem hohen Stresslevel führen. 

Auf Dauer kann das psychisch belastend sein. Gleichzeitig ist das ständige Bücken sowie das Hochheben von Kindern sehr anstrengend und führt häufig zu körperlichen Beschwerden.

Weitere mögliche Gründe, warum du unglücklich als Erzieherin bist, können folgende sein:

  • Unflexible Arbeitszeiten: Viele Kita-Mitarbeitende haben selbst Kinder, die sie betreuen müssen. Darum möchten sie ihre Zeiten flexibler gestalten, was jedoch nicht immer einfach ist. Die Arbeit als Erzieherin im Kindergarten ist meist mit festen Arbeitszeiten verbunden, die die Flexibilität einschränken können. Ebenso ist im Gegensatz zu Bürojobs kein Homeoffice möglich.
  • Geringes Gehalt: Je nach Bundesland und Arbeitgeber erhalten Kita-Mitarbeiter ein unterschiedliches Gehalt. Fällt dieses zu gering aus, führt das dazu, dass jemand nach einer besser bezahlten Tätigkeit sucht.
  • Karriereentwicklung: Möchte sich jemand beruflich weiterentwickeln oder sucht nach einer neuen Herausforderung, möchte er womöglich in einen anderen Bereich des Bildungswesens wechseln. Erziehende können etwa eine Weiterbildung zum Schulsozialarbeiter machen.
  • Schwierige Elternarbeit: Die Zusammenarbeit mit Eltern ist manchmal sehr herausfordernd. Unterschiedliche Erziehungsansätze, Konflikte oder nicht kooperative Eltern können zu Konfliktsituationen führen, die das Arbeitsumfeld belasten. Kommen solche Situationen häufig vor, kann ein Jobwechsel befreiend sein.
  • Emotionale Belastung: Die Arbeit mit Heranwachsenden bringt viele emotionale Herausforderungen mit sich. Kinder können ihre Emotionen noch nicht regulieren oder zeigen Verhaltensauffälligkeiten, die zu Konflikten führen. Nicht jede Person ist psychisch stark genug, um damit umgehen zu können.

Kinder- und Jugendcoach werden

Weitere schwierige Situationen

Jeder Mensch hat individuelle Stärken und Schwächen, die er bei der Arbeit einsetzen kann. Doch nicht nur die Persönlichkeit spielt bei der Jobwahl eine relevante Rolle. 

Ebenso im Fokus stehen die persönlichen Erwartungen und Ziele. Manchmal stellst du nach einiger Zeit fest, dass der aktuelle Job nicht den eigenen Fähigkeiten oder Interessen entspricht. Deshalb suchst du nach anderen beruflichen Möglichkeiten.

Darüber hinaus können Veränderungen im persönlichen Leben wie der Umzug in eine andere Stadt, die Gründung einer eigenen Familie oder persönliche Interessenänderungen dazu führen, dass jemand seine Karrierepläne überdenkt und nach neuen Chancen sucht

Verstärkt wird dies, wenn eine Person bereits gesundheitlich angeschlagen ist. Die Arbeit als Erzieherin im Kindergarten kann aufgrund der hohen Verantwortung, der emotionalen Belastung und des hohen Arbeitsaufwands zum Beispiel zu Burnout führen. 

Auch langfristiger Stress und ständige Erschöpfung tun niemandem gut und führen häufig zum Überdenken der aktuellen Situation. 

Ein weiterer Faktor ist das Arbeitsumfeld. Eine schlechte Arbeitsatmosphäre, ein schlechtes Verhältnis zu Kollegen oder eine fehlende Unterstützung seitens der Kitaleitung sorgen für Unzufriedenheit. 

Im Idealfall sollten alle Angestellten einer Krippe oder Kita als Team zusammenarbeiten. Damit gewährleisten sie auch die beste Versorgung der Heranwachsenden. 

Zu Frustration führt aber nicht nur ein negatives Arbeitsumfeld, sondern ebenso schlechte Arbeitsbedingungen. Manche Kindergärten haben aufgrund des Fachkräftemangels stark begrenzte Ressourcen und ein hohes Kind-zu-Erzieher-Verhältnis. 

Als Erzieherin hast du dann das Gefühl, du kannst den Erwartungen nicht gerecht werden und die Kinder nicht optimal betreuen. Fehlt dann noch die Wertschätzung seitens der Leitung, verstärkt das den Wunsch nach einem beruflichen Neuanfang.

Erzieherin gesundheitlich angeschlagen

Für Erzieher: Beruflicher Neuanfang durch Weiterbildung

Sehnst du dich nach einem Jobwechsel, kannst du dir mit einer Weiterbildung neue Möglichkeiten eröffnen. Du musst dann nicht mehr als Erzieherin tätig sein, sondern dich gezielt nach anderen Jobangeboten umsehen und einen Neuanfang wagen. 

Du kannst etwa durch eine Weiterbildung in Kindheitspädagogik in eine soziale Einrichtung wechseln und dort beratende Tätigkeiten übernehmen. 

Des Weiteren bringt dir eine Fortbildung eine Reihe Vorteile:

  • Fachwissen: Eine Weiterbildung eröffnet dir die Möglichkeit, deine Fachkenntnisse auf den neuesten Stand zu bringen und deine Kompetenzen zu erweitern. Außerdem kannst du dich in einem bestimmten Fachgebiet spezialisieren oder dich komplett in ein neues Thema einarbeiten. Als Erzieher hast du etwa gute Chancen, dich für den Bereich der sozialen Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe zu spezialisieren.
  • Soft Skills: Neben fachlichen Kenntnissen sind auch Soft Skills für den beruflichen Erfolg entscheidend. Hierzu gehören Dinge wie Kommunikationsfähigkeit, Teamarbeit und Problemlösungsfähigkeiten. Eine Weiterbildung kann dazu beitragen, deine Soft Skills zu stärken, was in vielen Berufsfeldern von Vorteil ist.
  • Netzwerke: Da du bei einer Fortbildung neue Personen kennenlernst, erweiterst du dein berufliches Netzwerk. Diese Networking-Möglichkeiten können sich später als wertvoll erweisen und dir den Zugang zu potenziellen Arbeitgebern erleichtern. Zudem erhältst du womöglich neue Ideen für deine berufliche Umorientierung.
  • Engagement: Indem du dich weiterbildest, zeigst du potenziellen Arbeitgebern, dass du motiviert bist, dich weiterzuentwickeln. Dies ist ein positives Signal und erhöht die Chancen auf einen erfolgreichen beruflichen Neuanfang.

Lohnt sich ein Studium?

Immer mehr Menschen entscheiden sich nach einer Ausbildung und einigen Jahren im Job dafür, ein Studium zu beginnen. Dies ist möglich, da immer mehr Hochschulen auch Menschen ohne Abitur das Studieren ermöglichen. 

Du benötigst dann in der Regel eine fachspezifische Ausbildung sowie mindestens drei Jahre Berufserfahrung. 

Ein Studium kann entweder in Vollzeit oder berufsbegleitend absolviert werden. Arbeitest du nebenbei weiter, erhältst du weiterhin ein Gehalt, mit denen du deine Lebenshaltungskosten decken kannst. 

Ein Nachteil ist allerdings, dass das Studium länger dauert und du dich nicht voll und ganz darauf konzentrieren kannst. Je mehr du privat eingebunden bist, etwa mit der Pflege von eigenen Kindern oder Eltern, desto schwieriger wird es, das Studium abzuschließen. 

Wie bei einer Weiterbildung gilt zudem, dass du genau wissen solltest, was du später beruflich tun möchtest. Es gibt viele Studiengänge, die verwandte Berufe für Erzieher ermöglichen. Du hast etwa die Möglichkeit, soziale Arbeit berufsbegleitend zu studieren. 

Mit deinem Fachwissen kannst du später körperlich beeinträchtigte Kinder oder auch Erwachsene unterstützen. Ebenso kannst du zur Kitaleitung werden und dich verstärkt um die Organisation der Einrichtung kümmern. 

Die Zusammenarbeit mit den Kleinsten nimmt dann nicht mehr so viel Zeit ein wie zuvor. Deine Aufgaben erweitern sich mit einer Leitungsposition beispielsweise um die Aufstellung von Dienstplänen, die Zusammenarbeit mit Trägern und Kommunen.

Darüber hinaus verbessern sich mit einem Studium deine generellen Karriereaussichten. Denn manche Berufsfelder beziehungsweise höhere Positionen erfordern einen Hochschulabschluss. Verbunden ist es meist auch mit mehr Gehalt. Im Internet findest du gute Einschätzungen zu Durchschnittslöhnen

Interessierst du dich für einen bestimmten Beruf, lohnt sich eine Recherche. Dann kannst du einschätzen, ob du hierfür ein Studium auf dich nehmen willst oder dich lieber nach einer wesentlich kürzeren Weiterbildung umschaust. 

Kinder- und Jugendcoach werden

Tipps für die berufliche Neuorientierung

Ausbildungen mit Kindern gibt es viele. Vom Kinderpfleger über die Krankenschwester bis hin zur Musikpädagogin. Die Suche nach dem richtigen Beruf ist daher eine herausfordernde Aufgabe. Möchtest du gar nicht mehr mit Heranwachsenden arbeiten, werden die Möglichkeiten noch größer.

Manche Personen haben bei einer beruflichen Neuorientierung das Gefühl, dass sie gescheitert sind. Dieses Gefühl brauchst du nicht zu haben! Unsere Welt ist ständig im Wandel. 

Genauso normal ist es, dass sich Interesse und Ziele im Laufe der Zeit ändern. Zudem ändert sich vielleicht deine private Situation, sodass dein aktueller Job einfach nicht mehr zu dir passt.

Du solltest verstehen, dass die Berufswahl ein fortlaufender Prozess ist. Kaum jemand arbeitet heute noch zehn oder mehr Jahre beim gleichen Arbeitgeber. Schöpfe die Möglichkeiten aus, die sich dir bieten, und sei offen für Veränderungen. 

Begibst du dich auf die Suche nach einem neuen Job, solltest du dein aktuelles Leben reflektieren und dir folgende Fragen stellen:

  • Welche Tätigkeiten machen dir Spaß?
  • Welche Fähigkeiten und Eigenschaften einer Erzieherin hast du?
  • Wie kannst du diese in einem anderen Beruf nutzen?
  • Wo liegen deine Schwächen?
  • Was ist dir an einem Job wichtig?

Recherchiere anschließend zu den Berufen, die dich interessieren. Überprüfe, ob die Aufgaben deinen Vorstellungen entsprechen und zu deinen Fähigkeiten passen. 

Ebenfalls solltest du einen Blick auf die Voraussetzungen und Einstiegsmöglichkeiten werfen. Beachte auch deine potenziellen Entwicklungsmöglichkeiten, um nicht nach kurzer Zeit erneut unzufrieden zu sein.

Interessierst du dich für ein Studium, ergeben sich hieraus verschiedene Jobmöglichkeiten. Suchst du etwa im Internet danach, wo du als Sozialpädagoge arbeiten kannst, werden dir diverse soziale, pädagogische und pflegerische Einrichtungen sowie Beratungsstellen und Sozialämter angezeigt. 

Um bei der Bewerbung einen Vorteil zu haben, kannst du dich bereits während des Studiums auf einen Bereich spezialisieren. 

Aufgaben mit einem Studium im sozialen Bereich erweitern

Passt der neue Traumjob zu dir?

Höchstwahrscheinlich hast du es auch schon mal erlebt, dass sich manche Dinge in der Theorie besser anhören, als sie es tatsächlich sind. Das kann dir auch bei der Suche nach einem neuen Job passieren. 

Bevor du dich also Hals über Kopf in eine neue Idee verrennst, lohnt es sich, erst einmal ein paar Tage darüber zu schlafen. Prüfe möglichst objektiv, ob dein neuer potenzieller Beruf wirklich das ist, was du willst.

Wenn es dir möglich ist, solltest du auch die Chance für ein Praktikum nutzen. Hierdurch bekommst du einen realistischen Einblick in die täglichen Aufgaben und die Arbeitsumgebung. Ebenso kann es gerade in pädagogischen Berufen hilfreich sein, ehrenamtlich zu arbeiten, um praktische Erfahrungen zu sammeln. 

Hab keine Angst davor, in verschiedene Bereiche hineinzuschnuppern. Manchmal gefällt Menschen gerade das am besten, was sie zuvor abgelehnt hätten. 

Berücksichtige bei deiner Umorientierung zudem die praktischen Aspekte. Hierzu zählen die Beschäftigungsaussichten und die Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen in bestimmten Regionen, sofern du örtlich gebunden bist. 

Ein interessanter Job nützt dir letztendlich wenig, wenn deine Lebensumstände dann nicht dazu passen. 

Bei manchen Berufen ist nur wenig Flexibilität bei den Arbeitszeiten gegeben, andere erfordern eine Reisebereitschaft. Dann ist es schwer, Familie und Beruf in Einklang zu bringen.

Bist du an dem Punkt angekommen, an dem du sagst „Ich will nicht mehr als Erzieher arbeitenstehen dir vielfältige neue Wege offen. Lass dich bei der Entscheidung nach einem neuen Job nicht unter Druck setzen, sondern wäge sorgfältig ab, welche neuen Optionen infrage kommen.

Über unseren Autor
Daniel ist der Entwickler des Stark auch ohne Muckis-Konzeptes. Nachdem er im Jahr 2004 eine Entscheidung gegen die schiefe Bahn und für ein starkes und integres Leben traf, widmete er sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Mobbing. Das zu einer Zeit, in der fast niemand über das Thema sprach. Er ist Vater von zwei Kindern, Erzieher, ausgebildeter Trainer und Coach und hat sein eigenes System in den letzten 12 Jahren erst entwickelt, dann evaluiert und nun so rund geschliffen, dass es wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert, um Kinder nachhaltig zu stärken.