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Integrationscoach werden: Ausbildung | Tätigkeit | Berufsmöglichkeiten

Integrationscoach
Verfasst von Daniel Duddek

Wer in ein anderes Land migriert, sei es aus beruflichen Gründen oder aufgrund von Krieg, muss sich dort erst einmal zurechtfinden. Aus dem Urlaub in einem anderen Land kennst du vielleicht auch das Gefühl, wenn viele neue Dinge auf einmal auf dich einprasseln – eine andere Sprache, eine unvertraute Gegend, eine neue Kultur und andersartige Gepflogenheiten.

Für Geflüchtete ist dies Alltag. Wenn sie in Deutschland ankommen, stehen sie vor einer Menge Fragen und Unsicherheiten. Ein Integrationscoach kann ihnen bei den zu bewältigenden Hürden zur Seite stehen. Diese reichen von der Kommunikation mit den Behörden über die Suche nach einer Wohnung, einem Sprachkurs und einem Arbeitsplatz bis hin zu der Frage, wie Kontakte zu Einheimischen aufgebaut werden können.

Dabei bringt der Coach nicht nur jede Menge Know-how, sondern auch Empathie und Verständnis für die Situation seiner Klienten mit. Er weiß, dass gelingende Integrationen nur mit einem ganzheitlichen Ansatz gelingt. Es geht um mehr, als nur Formulare auszufüllen und die deutsche Sprache zu lernen. Migrierte Personen müssen vor allem ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln. Hierfür müssen Brücken zwischen den verschiedenen Kulturen gebaut werden.

Integration braucht Zeit, ist mit Fortschritten und Rückschlägen verbunden. Doch mit Unterstützung können die Einwanderer ihre Ressourcen aktivieren und individuelle Lösungen für ihre Probleme finden. 

Was sind die Tätigkeitsfelder eines Integrationscoachs?

Ein Integrationscoach sollte eine pädagogische Ausbildung absolviert haben, um seine Klienten bestmöglich unterstützen zu können. Als Pädagoge weißt du, welche Methoden sich eignen, um Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen und mit diesen so zu sprechen, dass sie die Hilfe auch annehmen.  

Als Integrationscoach bist du grundsätzlich beratend tätig, ähnlich wie ein Sozialcoach. Der Unterschied ist jedoch, dass Personen zu dir kommen, die zum Beispiel aus einem anderen Land geflüchtet sind und nun Anschluss in der deutschen Gesellschaft suchen. In der Regel erfolgt die Beratung persönlich in einer Beratungsstelle. Es ist allerdings ebenso möglich, per Telefon oder Videochat Hilfe zu bieten.

Zu den häufigsten Aufgaben zählen dabei:

  • Kulturelle Sensibilisierung: Als Coach hilfst du den Einwanderern dabei, kulturelle Unterschiede zu verstehen und zu akzeptieren. Dafür stellst du Informationen über die deutsche Kultur zur Verfügung und klärst kulturelle Missverständnisse auf. Hierbei handelt es sich aber nicht nur um die Vermittlung von Werten. Eine Rolle spielen genauso alltägliche Dinge wie die richtige Mülltrennung in Deutschland oder das Verhalten gegenüber Nachbarn und anderen Mitmenschen. 
  • Behördengänge: Menschen, die nach Deutschland immigrieren, sind gezwungen, verschiedene bürokratische Prozesse zu bewältigen. Dazu gehören insbesondere die Beantragung von Aufenthaltsgenehmigungen, Sozialleistungen oder Arbeitsgenehmigungen. Als Integrationscoach unterstützt du sie dabei, diese Prozesse zu verstehen und zu bewältigen.
  • Sprachunterstützung: Eine Schlüsselkomponente der Integration ist die Sprachkompetenz. Damit die Migranten diese schneller lernen, kannst du ihn Lernmaterialien zur Verfügung stellen und Tipps zum Erlernen der deutschen Sprache geben. 

Viele Menschen, die zu dir kommen, haben darüber hinaus mit psychischen Problemen zu kämpfen, weil sich etwa ihre Verwandten noch in einem Kriegsgebiet aufhalten. Ebenso kann es passieren, dass die Kinder keine Schule besuchen wollen, weil sie Angst vor Ausgrenzung haben. Eine systemische Familienberatung bei einem Familiencoach oder Integrationscoach kann in solchen Fällen dazu beitragen, dass die ganze Familie gemeinsam an der Integration arbeitet.

Integrationscoach werden

Wo kann ein Integrationscoach arbeiten?

Wie du bereits weißt, ist ein Integrationscoach beratend tätig und kann sowohl Kinder als auch Erwachsende oder ganze Familien als Klienten haben. Demzufolge sind verschiedene Einsatzgebiete möglich. Häufig arbeiten Integrationscoachs für soziale beziehungsweise gemeinnützige Organisationen, die Programme zur Unterstützung von Einwanderern, Flüchtlingen oder anderen Personen mit Integrationsbedarf anbieten. 

Ebenso ist ein Einsatz in einem Jobzentrum möglich. Bei den Arbeitsvermittlungsagenturen unterstützt du Migranten und Flüchtlinge bei der Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Dafür schaust du für sie nach geeigneten Jobs oder Ausbildungen und erstellst mit ihnen Bewerbungsunterlagen. Eine wesentliche Rolle spielt auch die Vorbereitung für Vorstellungsgespräche. 

Geklärt werden muss ebenso, ob der Uni- oder Ausbildungsabschluss des Einwanderers in Deutschland anerkannt wird. Wer etwa in den Förderbereichen Sonderpädagogik tätig werden möchte, benötigt neben einem einschlägigen Abschluss auch gute Deutschkenntnisse. Manchmal sind zudem zusätzliche pädagogische Kurse nötig.

Daneben kannst du an Bildungseinrichtungen tätig werden, zum Beispiel an allgemeinbildenden Schulen. In diesem Fall hilfst du Schülern dabei, sich in das Bildungssystem zu integrieren und ihre Bildungsziele zu erreichen. Hierfür ist eine sonderpädagogische Zusatzausbildung von Vorteil, um zu verstehen, wie das Schulsystem funktioniert und auf welche Dinge es hierbei ankommt. Zudem kann er die Heranwachsenden beim Übergang von der Schule ins Berufsleben unterstützen. 

Kinder von Migranten haben es jedoch nicht nur schwieriger, um im Schulumfeld akzeptiert zu werden, sondern können aufgrund von Sprachproblemen dem Unterricht nicht immer folgen. In diesem Fall kann auch ein Lerncoach zurate gezogen werden. Dieser kennt verschiedene Lernstrategien und weiß, wie man die Konzentration bei Kindern fördern kann. 

Im Optimalfall findet ein Austausch oder eine aktive Zusammenarbeit mit den Lehrern statt. Diese können dem Coach auch mitteilen, ob sonderpädagogische Förderschwerpunkte nötig sind. Hat ein Kind beispielsweise ein Trauma erlitten, sollte ein Schulpsychologe in den Prozess einbezogen werden. Tendiert ein Heranwachsender zu Gewalt, ist die Absolvierung eines Deeskalationstrainings für Kinder ratsam.

Was lernt ein Integrationscoach in der Ausbildung?

Die Tätigkeit als Integrationscoach zählt nicht zu den klassischen pädagogischen Berufen. Die meisten Personen, die eine pädagogische oder sonderpädagogische Ausbildung in der Tasche haben, arbeiten beispielsweise als Erzieher oder übernehmen die Leitung einer Kita. Möchtest du aus diesem klassischen Berufsbild abweichen, ist die Coachingausbildung dafür eine Option

Die Qualifikation dauert je nach Anbieter mehrere Wochen oder Monate und kann in Präsenz oder online stattfinden. Suchst du nach einer entsprechenden Fortbildung, solltest du vor allem die Lerninhalte vergleichen.

Ein guter Kurs enthält Module wie diese:

  • Interkulturelle Kommunikation: Bei der Arbeit mit Menschen, die verschiedene kulturelle Hintergründe haben, sind Kenntnisse im Bereich der interkulturellen Integration von großer Bedeutung. Hierzu gehört ein Bewusstsein für die Vielfalt kultureller Werte, Überzeugungen und Verhaltensweisen. Es ist wichtig, kulturelle Unterschiede zu erkennen und zu respektieren, um Missverständnisse und Konflikte zu vermeiden. Hilfreich ist zudem eine Sensibilisierung für die besonderen Herausforderungen und Dynamiken, die in interkulturellen Kontexten auftreten können.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Um deinen Klienten professionell und umfassend beraten zu können, musst du die aktuell geltenden Gesetze im Zusammenhang mit Migration und Asyl kennen. Hieraus ergeben sich unter anderem die möglichen Zugangsoptionen zum Bildungs- und Arbeitsmarkt. 

Überdies solltest du in einem Kurs kultur- und sozialwissenschaftliche Kenntnisse vermittelt bekommen, die für die Arbeit als Integrationscoach relevant sind.

Über unseren Autor
Daniel ist der Entwickler des Stark auch ohne Muckis-Konzeptes. Nachdem er im Jahr 2004 eine Entscheidung gegen die schiefe Bahn und für ein starkes und integres Leben traf, widmete er sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Mobbing. Das zu einer Zeit, in der fast niemand über das Thema sprach. Er ist Vater von zwei Kindern, Erzieher, ausgebildeter Trainer und Coach und hat sein eigenes System in den letzten 12 Jahren erst entwickelt, dann evaluiert und nun so rund geschliffen, dass es wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert, um Kinder nachhaltig zu stärken.