Ich werde gemobbt! – Wie können Eltern ihrem Kind richtig helfen?

Verfasst von Daniel Duddek

Mama, ich werde gemobbt.“ Diesen Satz zu sagen, kostet ein Kind viel Überwindung. Viele Heranwachsende leiden erst wochen- oder monatelang still, bis sie sich ihren Eltern oder einer anderen Bezugsperson anvertrauen.

 

Sie glauben, dass sie etwas falsch gemacht haben und allein mit der Situation klarkommen müssen.

 

Diese Annahme ist jedoch verheerend. Weiht ein Betroffener viele Personen ein, kann es auf Hilfe und Unterstützung hoffen. Allein kann es die Angriffe der Gleichaltrigen kaum abwehren.

 

Denn Mobber schließen sich meist zu einer Gruppe zusammen, während das Opfer allein dasteht. Verbündete gibt es nur selten. Diese haben zu große Angst, selbst gemobbt zu werden.

 

Umso wichtiger ist es, dass sich dein Kind weiteren Personen anvertraut. Es braucht sich nicht für seine Geschichte zu schämen. Geht es offen und selbstbewusst mit seiner Lage um, kann es sich schneller daraus befreien.

 

Je mehr Gegenwind die Mobber bekommen, desto besser. Haben sie mit großem Widerstand zu kämpfen, suchen sie sich lieber eine andere Beschäftigung.

 

Besonders schnelles Handeln deinerseits ist gefragt, wenn dein Sprössling bereits körperliche Beschwerden aufweist. Mobbingopfer leiden beispielsweise häufig unter Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit.

 

Des Weiteren ziehen sie sich überwiegend zurück und wollen die Schule nicht mehr besuchen. Dieser Prozess vollzieht sich schleichend. Hab darum immer ein Auge auf das Verhalten deines Nachwuchses und hör genau hin, wenn es von seinem Tag berichtet.

 

Damit du deinen Nachwuchs bestmöglich unterstützen kannst, haben wir dir in diesem Artikel einige Tipps zusammengestellt. Mit diesen verraten wir dir, wie du dich als Mutter richtig verhältst, wenn dein Sprössling gemobbt wird.

 

Zudem nennen wir dir wichtige Anlaufstellen und zeigen auf, wie dein Nachwuchs mit Mobbing umgehen kann. Außerdem solltest du selbst in der schwierigsten Situation nicht vergessen, gemeinsam mit deinem Sprössling nach vorne zu schauen.

Wie entsteht Mobbing?

 

Mobbing ist mittlerweile alltäglich. In der Schule oder auf der Arbeit müssen täglich viele Menschen Schikanen über sich ergehen lassen. Womöglich wurdest auch du schon einmal gemobbt oder konntest beobachten, dass jemand gemobbt wird.

 

In beiden Fällen fühlen sich die meisten Personen hilflos und fragen sich: Wie konnte es so weit kommen?

 

Versuche, dich in die Lage deines Kindes zu versetzen. Allein in der Ecke des Klassenzimmers stehen, Beleidigungen hören, Schläge einstecken – Mobbing passiert auf viele Arten und jede davon ist verletzend.

 

Psychische Wunden sind nicht sichtbar, aber trotzdem da. Und sie verschwinden nicht einfach wieder. Auch dann nicht, wenn die Mobbingattacken vorbei sind.

 

Was vor allem bleibt, ist diese eine Frage: Warum wurde gerade ich zum Opfer?

 

Mobber suchen sich häufig Klassenkameraden aus, die still und zurückhaltend sind. Denn introvertierte Menschen haben größtenteils nur wenige Verbündete. Das ist für die Täter ein Vorteil, da sie kaum mit Widerstand rechnen müssen.

 

Ein Mobbingopfer muss sich also nicht einmal falsch verhalten. Es reicht bereits aus, schüchtern zu sein. Haben einige Klassenkameraden dann Langeweile, fangen sie aus Spaß an, einen Mitschüler zu schikanieren.

 

Zudem gibt es Fälle, in denen ein außergewöhnliches Kind nicht ins Bild passt. Eine dunkle Hautfarbe oder ein schriller Kleidungsstil sind typische Beispiele. Auch hier wird ein Kind leicht zur Zielscheibe, ohne aktiv etwas dafür zu tun.

 

Manchmal steckt hinter den Angriffen auch Neid, zum Beispiel auf gute Zensuren oder ein besonderes Talent. Denn Mobber haben häufig selbst viele Probleme, sowohl in der Schule als auch im familiären Bereich. Mit dem Kleinmachen anderer Heranwachsender versuchen sie dann, ihr Ego zu stärken.

 

Diese Beispiele zeigen, dass ein Kind in der Regel keine Schuld daran trägt, Mobbingopfer zu sein. Genau diese Botschaft solltest du deinem Nachwuchs vermitteln!

 

Wie verhalten sich Eltern richtig?

 

Mein Kind wird von anderen Kindern geschlagen!“ Tritt diese oder eine ähnliche Situation ein, müssen Eltern dies in der Regel erst einmal realisieren. Wut auf die Täter und Angst um den eigenen Nachwuchs vermischen sich. Zusätzlich fühlen sich viele Eltern hilflos und überfordert.

 

Mach dir keine Sorgen! Um für deinen Sprössling da zu sein, brauchst du nicht sofort einen Masterplan. Hat dir dein Kind von den Taten berichtet, benötigt es als erstes Zuneigung.

 

Denn gemobbt zu werden, verletzt die Seele eines Heranwachsenden beträchtlich. Zu Hause benötigt er vor allem Sicherheit und den Zuspruch, ein großartiger Mensch zu sein.

 

Berichtet dir dein Nachwuchs von Mobbing, ist dieses Verhalten immer richtig:

 

  • Trösten: Nimm dein Kind in den Arm. Das signalisiert ihm, dass du es verstehst und es nicht allein ist. Oft ist es für Mütter schwer, den Sohn oder die Tochter völlig aufgelöst zu sehen. Doch für Heranwachsende ist es wichtig, einfach alles herauslassen zu können. Lass deinen Sprössling darum ruhig weinen, während ihr kuschelt.

 

  • Reden: Hat sich dein Sprössling beruhigt, lass dir am besten alles über die Mobbing-Vorfälle erzählen. Dann kannst du die Taten besser einordnen. Versichere deinem Sprössling, dass du alle Erzählungen für dich behältst. Denn oft schämen sich Mobbingopfer für ihre Geschichte. Frage dein Kind auch, was es sich von dir wünscht.

 

  • Helfen: Auch, wenn du die Täter am liebsten sofort zur Rede stellen würdest – bleib erst einmal ruhig! Überstürztes Handeln kann dazu führen, dass sich die Mobbingattacken gegen deinen Nachwuchs weiter verschlimmern. Natürlich muss sich die Situation ändern. Hierfür solltest du dir jedoch professionelle Hilfe von den passenden Anlaufstellen holen.

 

Beachte außerdem: Entscheide nichts über den Kopf deines Kindes hinweg! Es leidet am meisten unter der Situation und sollte darum in alle Handlungsentscheidungen einbezogen werden!

 

Gemobbt werden

 

Die wichtigsten Anlaufstellen bei Mobbing

 

Wird dein Kind gemobbt, sollte es sich dies auf keinen Fall gefallen lassen! Die Erlebnisse können zu Angstzuständen bei Kindern führen. Darüber hinaus leiden Betroffene häufig ihr gesamtes Leben an sozialen Phobien, wenn sie sich nicht in eine Behandlung begeben.

 

Ein schnelles Eingreifen ist darum das Wichtigste. Warte nicht erst, bis dein Sprössling gar nicht mehr zur Schule gehen will. Nimm stattdessen auch kleine Anzeichen ernst.

 

Ist ein Heranwachsender von Mobbing betroffen, kann er sich nur mit Hilfe aus der misslichen Lage befreien. In dir als Mutter hat dein Kind den ersten wichtigen Ansprechpartner gefunden. Doch du allein kannst deinem Schatz nur bedingt helfen. Sorge dafür, dass dein Nachwuchs weitere Hilfe erhält.

 

Hierfür kannst du dich an diese Anlaufstellen wenden:

 

  • Schulisches Personal: Als Erstes solltest du gemeinsam mit deinem Kind den Klassenlehrer informieren. An manchen Schulen gibt es außerdem einen Vertrauenslehrer. Mit etwas Glück kann das schulische Personal eine erste Lösung vorschlagen, zum Beispiel die Klasse in den Pausen mehr zu beaufsichtigen. Viele Lehrer verharmlosen jedoch die Mobbinghandlungen auch, da sie nicht speziell auf Problemfälle geschult wurden. Lass dich davon nicht unterkriegen!

 

  • Schulamt: Hilft dir die Schule deines Kindes nicht weiter, vereinbare einen Termin beim zuständigen Schulamt. Dort schildert dein Nachwuchs noch einmal die Situation. Die Mitarbeiter vermitteln dir weitere Anlaufstellen, zum Beispiel einen Schulpsychologen. Des Weiteren können sie den Dialog zwischen dir und der Schule deines Kindes begleiten. Bestehe darauf, dass das Schulpersonal zeitnah etwas tut, um das Mobbing zu beenden.

 

  • Anwalt: Bei Mobbing in der Schule sind ebenso rechtliche Schritte möglich. Je mehr Beweise ihr gesammelt habt, desto besser. Darum sollte dein Kind ein Mobbing-Tagebuch führen. Darin trägt es alle Angriffe mit Ort und Datum genau ein. Die Taten sollten möglichst genau aufgeschrieben werden. Daneben helfen Fotos bei der Dokumentation.

 

5 Tipps zum Umgang mit Mobbing

 

Mobbing bei Kindern verschwindet nicht von heute auf morgen. Selbst wenn du deinem Nachwuchs beistehst und Hilfe suchst, dauert es noch eine Weile, bis die Angriffe aufhören.

 

Viele Kinder wollen dann gar nicht mehr zur Schule. Du als Mutter weißt, dass das keine Lösung sein kann. Doch es ist verständlich, dass dein Sprössling Angst hat. Niemand setzt sich gern freiwillig Beschimpfungen oder Gewalt aus.

 

Je mehr Selbstvertrauen dein Nachwuchs hat, desto besser wird er mit der Situation umgehen. Bei Ausgrenzung in der Schule helfen außerdem am besten diese Strategien:

 

1. Mit guten Menschen umgeben: Stellt sich eine Gruppe Gleichaltriger gegen dein Kind, ist es wichtig, dass es umso mehr Zeit mit Verbündeten verbringt. Das können liebe Mitschüler sein, Familienangehörige oder auch Freunde aus der Nachbarschaft. Dein Sprössling sollte spüren, dass es viele Menschen gibt, die ihn akzeptieren, wie er ist. Das zeigt ihm, dass er nicht das Problem ist.

 

2. Von Mobbern fernhalten: Leider hört Mobbing beim Verlassen des Schulgeländes nicht einfach auf. Täter nutzen etwa Internetprofile der Betroffenen, um sie weiter zu beleidigen. Blockiere mit deinem Kind die Nummern der Mobber auf dem Smartphone. Profile in den sozialen Medien sollten auf „Privat“ gestellt werden. Veröffentlichen die Täter Beleidigungen oder Drohungen, mache einen Screenshot und melde sie dem Betreiber der Seite. Er muss die Inhalte nach deiner Aufforderung löschen.

 

3. Inneren Frieden suchen: Es ist verständlich, wenn du oder dein Kind sich an den Mobbern rächen möchten. Schließlich können die Taten das Leben deines Sprösslings zerstören, indem sie beispielsweise Panikattacken bei Kindern auslösen. Rache ist jedoch keine Lösung. Sie wird nicht dazu führen, dass du oder dein Nachwuchs sich besser fühlt. Stattdessen macht ihr euch selbst strafbar. Versucht darum lieber, die Situation zu verarbeiten. Ein Psychologe kann dabei helfen.

 

Wenn Kinder gemobbt werden

 

Der Blick nach vorn

 

Obwohl die aktuelle Zeit für dich und dein Kind schwer ist, solltet ihr nach vorne blicken. Gemeinsam seid ihr stark, sodass ihr jede Krise überwinden könnt!

 

Es wird wieder Situationen geben, in denen du zweifelst, ob das Mobbing gegen dein Kind jemals aufhört. Versuche jedoch, deinen Kindern die Angst zu nehmen. Es gibt immer einen Weg! Die Hauptsache ist, dass ihr euch von den Tätern nicht unterkriegen lässt.

 

Manchmal ist das Mobbing sehr schlimm, sodass nur ein Schulwechsel hilft. In diesem Fall muss sich ein Heranwachsender in einer fremden Umgebung zurechtfinden.

 

Neue Kontakte zu knüpfen, ist jedoch gerade für Mobbingopfer schwierig. Informiere dich daher am besten schon vorher, was du gegen Ausgrenzung tun kannst. Ein Coaching für Kinder kann zum Beispiel helfen, dass dein Sprössling wieder neues Selbstbewusstsein aufbaut.

 

Achte auch darauf, dass dein Nachwuchs in der Freizeit genügend Kontakt zu Gleichaltrigen hat. Dort kann er dich die Bestätigung holen, kein Außenseiter zu sein. Des Weiteren helfen schöne Momente, die ihr gemeinsam erlebt, die schlechten Erinnerungen für einige Zeit auszublenden.

 

Was deinem Kind ebenfalls hilft, sind Erfahrungen von anderen Betroffenen. Informiere dich, ob es in der Umgebung eine Selbsthilfegruppe gibt. Dieser Austausch kann Mut machen.

 

Auf das Lesen in Internet-Foren sollte dein Nachwuchs hingegen besser verzichten. Dort werden Geschehnisse oft überdramatisiert und es kommt zur Verkündung von Selbstmord-Absichten.

 

Vielleicht warst du früher auch schon einmal selbst in der Situation, dass du sagen musstest „Ich werde gemobbt“. Erinnere dich, was dir damals geholfen hat. Öffnest du dich gegenüber deinem Nachwuchs, verbindet euch das noch mehr. Er weiß dann, dass du genau nachvollziehen kannst, wie er sich gerade fühlt.

 

Höchstwahrscheinlich haben du und dein Kind auch schon gemeinsam andere schwere Zeiten erfolgreich durchgestanden. Das wird auch dieses Mal wieder so sein!

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Daniel Duddek

ÜBER DEN AUTOR

Daniel ist der Entwickler des Stark auch ohne Muckis-Konzeptes. Nachdem er im Jahr 2004 eine Entscheidung gegen die schiefe Bahn und für ein starkes und integres Leben traf, widmete er sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Mobbing. Das zu einer Zeit, in der fast niemand über das Thema sprach. Er ist Vater von zwei Kindern, Erzieher, ausgebildeter Trainer und Coach und hat sein eigenes System in den letzten 12 Jahren erst entwickelt, dann evaluiert und nun so rund geschliffen, dass es wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert, um Kinder nachhaltig zu stärken.

Daniel Duddek

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