Startseite » Bildungscoaching: Was ist es & wie kannst du Bildungscoach werden?

Bildungscoaching: Was ist es & wie kannst du Bildungscoach werden?

Bildungscoaching
Verfasst von Daniel Duddek

Versuche, dich kurz an deine Schulzeit zurückzuerinnern. Warst du dir damals deiner Schwächen und Stärken bewusst? Konntest du deinen Interessen nachgehen? Warst du dir bei deinem Abschluss sicher, was der richtige Beruf für dich ist?

Das Bildungssystem in Deutschland ist nach wie vor sehr starr aufgebaut. Auf die einzelnen Interessen der Kinder wird zumindest an staatlichen Schulen keine Rücksicht genommen. Lediglich manche private Einrichtungen, die etwa nach dem Schulentwicklungskonzept Jenaplan unterrichten, versuchen die Individualität der Heranwachsenden zu berücksichtigen, um eine bestmögliche Förderung zu erreichen.

Das starre System bringt es mit sich, dass Heranwachsende während der Schulzeit ohne ein Bildungscoaching Unsicherheiten entwickeln.]

Ein Beispiel: Das Fach Physik macht einem Kind Spaß, die Zensuren sind jedoch schlecht. Negative Ergebnisse in Mathetests verstärken das Gefühl, auf diesem Gebiet nichts erreichen zu können – bis die Person im Erwachsenenalter plötzlich feststellt, dass Zahlen doch ihr Ding sind und ihr die Aufgaben in der Schule einfach nicht gelegen haben.

Eine Umschulung ist jedoch nicht für jeden machbar. Darum ist es wichtig, bereits frühzeitig die eigenen Interessen und Stärken herauszufinden.

Das Bildungscoaching zielt genau darauf ab: Es soll den Heranwachsenden dabei helfen, die individuellen Bildungsziele und -bedürfnisse zu erkennen und das volle Potenzial im Bildungsbereich zu entfalten. Mehr über die Aufgaben eines Bildungscoaches und wie dieser deinem Sprössling helfen kann, liest du in diesem Artikel.

Was macht ein Bildungscoach und was ist ein Bildungscoaching?

Allgemein gesagt, unterstützt ein Bildungscoach Heranwachsenden auf ihrem Bildungsweg. Durch individuelle Betreuung und gezielte Maßnahmen trägt er dazu bei, dass Kinder ihre Fähigkeiten verbessern, ihre persönlichen Stärken erkennen und langfristig ihre Bildungsziele erreichen können. 

Im Gegensatz zu einem Lerncoach, der Schülern Merktechniken und andere Lernmethoden beibringt, benötigst du einen Bildungscoach für dein Kind vor allem dann, wenn es die Schule wechselt oder bald abschließt und Entscheidungen für den weiteren Lebensweg getroffen werden müssen.

Es geht bei der Beratung folglich nicht darum, die Konzentration der Kinder zu fördern, damit sie unter anderem bessere Zensuren bekommen. Vielmehr stehen Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten sowie das Erkennen und Nutzen der persönlichen Stärken im Mittelpunkt

Somit kann ein Coach auch im Zuge der systemischen Familienberatung ein wertvoller Ansprechpartner sein. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn es häufig familiäre Konflikte gibt, weil dein Nachwuchs nicht mehr zur Schule gehen möchte und dadurch seinen Abschluss gefährdet.

Ein Bildungscoach hat weitere Aufgaben:

  • Information zu Bildungsmöglichkeiten: Der Bildungscoach informiert nicht nur die Eltern, sondern auch das Kind über verschiedene Bildungsmöglichkeiten, die für sein Alter und seine Interessen geeignet sind. Dabei werden sowohl formale als auch informelle Bildungsangebote berücksichtigt. Die Angebote sind nicht auf den schulischen oder beruflichen Bereich beschränkt. Ein sinnvoller Ansatz kann ebenso die Förderung der persönlichen Interessen sein.
  • Entwicklung eines Bildungsplans: Nachdem der Bildungsbedarf eines Kindes identifiziert wurde, entwickelt das Bildungscoaching gemeinsam mit den Heranwachsenden einen maßgeschneiderten Bildungsplan. Hierbei können auch die Eltern einbezogen werden. Je nach Zielsetzung kann sich die Förderung auf akademische, soziale oder emotionale Aspekte beziehen. Bei Bedarf kann weitere Unterstützung einbezogen werden. Bei einer Benachteiligung im Bildungssystem aufgrund der Herkunft kann insbesondere ein Integrationscoach Hilfestellung bieten. 

Da Bildungsangebote wie Nachhilfe mitunter eine Menge Geld kosten können, informiert der Coach zusätzlich über verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten für die Teilnahme an Bildungsangeboten.

Bildungscoach

Wann benötigt mein Kind ein Bildungscoaching?

Wenn du merkst, dass dein Nachwuchs kein Interesse für die Schule aufweist oder sogar Angst vor seiner beruflichen Zukunft hat, kann ein Bildungscoaching dazu beitragen, diese Probleme anzugehen und zu bewältigen. Zunächst wird es dann darum gehen, die persönlichen Talente und Interessen deines Sprösslings herauszufinden. Eingesetzt werden dazu unter anderem Persönlichkeitstests

Viele Heranwachsende wissen selbst gar nicht so genau, wo ihre persönlichen Stärken und Schwächen liegen. Doch mit einem Kinder- und Jugendcoach oder einem Bildungscoach erhalten sie ein klares Bild von sich selbst. Basierend auf den Erkenntnissen kann der Coach Empfehlungen geben, wie diese Stärken und Interessen in die Bildung integriert werden können. Das können auch außerschulische Projekte sein, die deinem Nachwuchs Raum geben, sich selbst zu entfalten. 

Ebenso kann der Coach Probleme identifizieren, die deinen Nachwuchs bisher daran gehindert haben, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Hat er etwa Probleme, negative Emotionen in den Griff zu bekommen, kann er ein Deeskalationstraining für Kinder absolvieren. 

Hat dein Kind hingegen besondere Bildungsbedürfnisse, etwa aufgrund einer Hochbegabung, kann der Bildungs- oder Familiencoach ebenfalls passende Unterstützungsmöglichkeiten identifizieren. Eine systemische Elternberatung kann in diesem Fall ebenso sinnvoll sein, da vermeintliche rebellische Handlungen von hochbegabten Kindern häufig falsch gedeutet werden. Spezielle pädagogische Kurse helfen dir als Mutter, deinen kleinen Schatz besser zu verstehen und seinen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Des Weiteren kann ein Coach deinen Nachwuchs bei den Übergängen zwischen Bildungsstufen unterstützen. Das kann der Übertritt von der Grundschule zur weiterführenden Schule sein oder ein Wechsel zwischen Realschule und Gymnasium. Ängste tun sich zudem häufig in den letzten Jahren Abschluss der Schule auf, da eine große Ungewissheit besteht, wie die Ausbildung oder das Studium ablaufen wird und damit auch ein Wechsel des alltäglichen Umfelds verbunden ist. 

Wer kann Bildungscoach werden?

Mit der nötigen Empathie und Fachwissen kann jeder eine pädagogische Ausbildung zum Bildungscoach absolvieren. Dein Ziel muss es dabei nicht sein, später in einem der pädagogischen Berufe zu arbeiten. Du kannst den Kurs ebenso absolvieren, um deinen Nachwuchs in Zukunft besser auf seinem Lebensweg unterstützen zu können. 

Von Vorteil ist es, wenn du bereits einen Beruf in Kindheitspädagogik ausübst, beispielsweise als Integrationscoach oder systemischer Familiencoach eine Ausbildung abgeschlossen hast. Dann bringst du gute Grundlagen mit, um die Inhalte zu verstehen und nachzuvollziehen. Doch auch ohne Vorkenntnisse kannst du dich mit ausreichend Motivation in die Prozesse von einem Blidungscoaching eindenken. Achte bei der Kurssuche darauf, dass dieser auch für Nicht-Pädagogen zugelassen ist. Das ist oft bei privaten Bildungsträgern der Fall. 

Die Qualifizierung umfasst zum einen Grundlagen des Coachings. Es geht hierbei um Coaching-Prozesse und die dafür benötigten Techniken. Ebenso erhältst du einen Einblick in pädagogische und psychologische Theorien. Hierbei wird auf die speziellen Aspekte der Bildung eingegangen. 

Genauso wichtig für einen Sozialcoach wie für dich als Mutter ist die richtige Kommunikation mit Heranwachsenden. Ein Basismodul umfasst daher in der Regel auch die Gesprächsführung. Mit den richtigen kommunikativen Fähigkeiten baust du eine vertrauensvolle Beziehung zu deinem Kind oder einem Klienten auf.

Des Weiteren lernst du bei einer Fortbildung im Bereich Bildungscoaching, die Stärken und Schwächen eines Kindes zu identifizieren und dazu passende Bildungsmöglichkeiten auszuwählen. Diese werden anschließend in einen konkreten Plan zur Erreichung der persönlichen Ziele eingearbeitet, wobei auch die Interessen des Heranwachsenden beachtet werden.

Über unseren Autor
Daniel ist der Entwickler des Stark auch ohne Muckis-Konzeptes. Nachdem er im Jahr 2004 eine Entscheidung gegen die schiefe Bahn und für ein starkes und integres Leben traf, widmete er sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Mobbing. Das zu einer Zeit, in der fast niemand über das Thema sprach. Er ist Vater von zwei Kindern, Erzieher, ausgebildeter Trainer und Coach und hat sein eigenes System in den letzten 12 Jahren erst entwickelt, dann evaluiert und nun so rund geschliffen, dass es wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert, um Kinder nachhaltig zu stärken.