Wie werden Angstzustände bei Kindern behandelt?

Verfasst von Daniel Duddek

Wenn eine schwangere Frau Angst hat, kann sich dieses Gefühl durch Hormone auch auf den Fötus übertragen. Das bedeutet, dass Kinder bereits im Mutterleib Stress wahrnehmen. Sobald sie auf der Welt sind, entwickeln sie eigene Ängste. Beispielsweise haben kleine Kinder oft Angst vor lauten Geräuschen oder der Dunkelheit. Im Laufe der Zeit kommen immer mehr entwicklungstypische Ängste hinzu.

Werden diese zu stark und/ oder macht dein Nachwuchs schlechte Erfahrungen, können sich Angstzustände bei Kindern herausbilden.

 

Diese äußern sich beispielsweise durch folgende Symptome:

 

  • Bauchschmerzen oder Übelkeit,
  • Schlafstörungen und Albträume,
  • Rückzug sowie die Vermeidung bestimmter Situationen.

 

Besonders übervorsichtige Eltern können durch ihren Erziehungsstil eine Angststörung des Nachwuchses begünstigen. Hast du als Mutter ständig Angst um dein Kind, überträgst du dieses Gefühl unbewusst auf deinen Sprössling. Dieser entwickelt dann beispielsweise eine Trennungsangst.

 

Darüber hinaus beeinflussen biologische Faktoren, wie leicht jemand an einer Angststörung erkrankt. Leidet ein Familienangehöriger bereits an Angstzuständen, erhöht dies das Risiko, dass auch dein Nachwuchs psychische Probleme bekommt.

 

Mit diesem Artikel geben wir die eine Übersicht über verschiedene Arten von Ängsten an die Hand. Des Weiteren erklären wir, wie eine Angststörung therapiert wird und wie du als Mutter deinen Sprössling am besten unterstützt.

 

Entwicklungstypische Ängste

 

Angst ist nicht gleich Angst. Es gibt Ängste, die viele Menschen in sich tragen. Sie schützen davor, sich zu große Gefahren auszusetzen.

 

Darüber hinaus existieren entwicklungstypische Ängste. Diese treten während der Kindheit auf und verschwinden nach einiger Zeit wieder.

 

Hierzu zählen beispielsweise:

 

  • Trennungsangst: In den ersten Lebensjahren verspüren Kinder oft Angst, wenn ihre Bezugspersonen nicht in der Nähe sind. Hinzu kommt die Angst vor dem Tod der Eltern, sobald der Nachwuchs versteht, dass Menschen sterben können. Ebenfalls weit verbreitet bei Kleinkindern ist die Angst vor lauten Geräuschen.

 

  • Naturkatastrophen: Im Kleinkind- und Grundschulalter haben Kinder eine blühende Fantasie. Gleichzeitig können sie Fiktion noch nicht von der Realität unterscheiden. Hieraus entstehen Ängste vor Dunkelheit, Krieg oder Tsunamis. Achte darauf, dass dein Nachwuchs möglichst keine Medien rezipiert.

 

  • Fantasiegestalten: Die Furcht vor Monstern, Geistern, Drachen und anderen Fantasiegestalten ist häufig auf das Anschauen von Büchern oder Fernsehsendungen zurückzuführen. Daher solltest du im Auge behalten, was dein Sprössling zu sehen bekommt. Kleinkinder sollten von beängstigenden Inhalten fern gehalten werden.

 

  • Versagensängste: Wird dein Nachwuchs älter, machen sich Versagensängste breit. Diese beziehen sich zum Beispiel auf schlechte Zensuren oder das schwache Abschneiden bei einem sportlichen Wettkampf. Daneben haben manche Sprösslinge Angst davor, ihre Eltern zu enttäuschen. Setze deinen Nachwuchs darum niemals unter Druck.

 

  • Soziale Ängste: Im Teenageralter haben Heranwachsende häufig Angst vor der Ausgrenzung von Gleichaltrigen. Findet ein Mobbing bei Kindern statt, werden diese Angstgefühle weiter verstärkt.

 

Verschwinden diese Ängste nach einer Entwicklungsphase nicht von allein wieder, ist eine psychologische Behandlung notwendig.

Kind Angstzustände

Arten von Ängsten

 

Neben den entwicklungsbedingten Ängsten bei Kindern, können auch andere Angst- oder Panikstörungen aufgebaut werden. Manchmal gibt es hierfür einen speziellen Auslöser. Das kann zum Beispiel der Verlust einer geliebten Person sein.

 

Doch auch, wenn du als Mutter sagen musst: „Mein Kind wird von anderen Kindern geschlagen“, hat dein Nachwuchs ein Problem. Dieses muss er verarbeiten. Bessert sich die Situation nicht, kann sich daraus sogar eine Panikstörung entwickeln.

 

Darüber hinaus kann sich eine Angststörung schleichend entwickeln. Sie beginnt harmlos, doch mit der Zeit meidet dein Sprössling zum Beispiel immer mehr Situationen, in denen er auf andere Menschen trifft. Vor allem soziale Phobien sind selten von heute auf morgen da.

 

Angststörungen lassen sich grob in diese Arten unterteilen:

 

  • Panikattacken: Bei einer Angststörung führen sich Betroffene oftmals unmotiviert, haben Bauchschmerzen oder Schlafstörungen. Bei Panikattacken ist die körperliche Reaktion stärker. Herzrasen, Atemnot und Schweißausbrüche sind typische Symptome. Ausgelöst werden Panikattacken durch die Furcht vor bestimmten Situationen. Es genügt, sich diese vorzustellen. Allein dadurch ist die Furcht deutlich spürbar. Wir sprechen hierbei auch von der „Angst vor der Angst“.

 

  • Generalisierte Angststörung: Besteht die Angst über einen langen Zeitraum hinweg, ist sie ständig im Hinterkopf. Betroffene Kinder leiden dann etwa den ganzen Tag über an Unwohlsein oder machen sich Sorgen. Eine Behandlung ist meist sehr langwierig, da die Angstgefühle bereits tief verinnerlicht sind.

 

  • Phobien: Phobien beziehen sich auf eine spezielle Sache, zum Beispiel Brücken, Spinnen oder geschlossene Räume. Da die Betroffenen diesen Dingen aus dem Weg gehen, kann die Phobie den Alltag stark beeinträchtigen. Die gute Nachricht: Da Phobien sehr speziell sind, können sie meist effektiv behandelt werden.

 

Vermutest du, dass dein Nachwuchs an einer Angststörung leidet, solltest du mit ihm einen Kinderarzt aufsuchen. Dieser schließt durch eine Untersuchung zunächst körperliche Ursachen aus. Anschließend berät er dich zu den Behandlungsmöglichkeiten.

 

Therapeutische Behandlung von Angststörungen

 

Eine Angststörung bei Kindern sollte durch eine Psychotherapie behandelt werden. Hierfür verschreibt der Kinderarzt eine Überweisung zu einem Psychologen. Sind die Ängste sehr stark, kommt alternativ eine stationäre Behandlung oder eine Tagesklinik infrage.

 

Bei den therapeutischen Verfahren kann zwischen einer Gesprächs- und Verhaltenstherapie unterschieden werden:

 

  • Bei einer Gesprächstherapie werden zum Beispiel traumatische Ereignisse oder Krisen verarbeitet. Sie trägt dazu bei, negative Denkmuster aufzudecken und diese durch eine positive Lebenseinstellung zu ersetzen.

 

  • Im Zuge der Verhaltenstherapie werden Bewältigungsstrategien erlernt. Die Probleme werden durch ein neues Handlungsmuster bewältigt. Hierbei kommen verschiedene Methoden zum Einsatz.

 

Leidet dein Sprössling unter Ängsten, ist die Verhaltenstherapie in der Regel der bessere Ansatz. Wenn dein Kind aufgrund von Trennungsangst nicht in den Kindergarten will und diese Phase nach einigen Wochen nicht nach lässt, kann auch für dich als Mutter eine Therapie sinnvoll sein. Dabei lernst du, wie du mit der belastenden Situation jeden Morgen am besten umgehst.

 

Außerdem erhältst du Tipps, wie du mit deinem Verhalten für eine Verringerung der Angstgefühle bei deinem Nachwuchs sorgst.

 

Denn Ängste bei Kindern entstehen manchmal dadurch, dass die Eltern ihre eigenen Sorgen unbewusst auf den Nachwuchs übertragen. Hierdurch können sogar Panikattacken bei Kindern entstehen.

 

Durch die Therapie lernt dein Sprössling, mit seinen Gefühlen umzugehen und sich seinen Ängsten zu stellen. Ergänzend hierzu kann mit Entspannungsübungen oder Atemtechniken trainiert werden, resistenter gegen plötzlich auftretende Angstgefühle zu werden.

 

Zeigen die Maßnahmen nicht genug Wirkung, kann ein Arzt Medikamente verordnen. Manche Eltern probieren zunächst homöopathische Beruhigungsmittel aus. Hierzu zählen etwa Bachblütentropfen.

 

Bei besonderer Schwere können ebenso Arzneimittel wie Antidepressiva verschrieben werden. Diese müssen stets nach den Vorgaben eingenommen werden. Zudem sollten sie nur so lang wie nötig als Ergänzung der psychotherapeutischen Handlung dienen.

 

Die Ursachen der Angststörung werden durch die Einnahme von Medikamenten nicht beseitigt.

Angstzustände bei Kindern Therapie

Deine Rolle als Mutter

 

Damit dein Sprössling seine Angststörung überwindet und wieder gesund wird, benötigt er deine Unterstützung. Oftmals wissen Eltern jedoch nicht, wie sie sich richtig verhalten, um ihren Kindern die Angst zu nehmen.

 

Dabei ist die Erste Hilfe gar nicht schwer. Was Heranwachsende in dieser Situation brauchen, ist viel Liebe und einen sicheren Rückzugsort.

 

Außerdem kannst du deinem Nachwuchs folgendermaßen unterstützen:

 

  • Verständnis: Höre deinem Sprössling aufmerksam zu, wenn er von seinen Sorgen erzählt. Nimm diese ernst und respektiere seine Gefühle, auch wenn du sie nicht nachvollziehen kannst. Verzichte auf Sätze wie „Das ist doch nicht schlimm“ oder „Stell dich nicht so an!“ Diese führen nur dazu, dass sich dein Nachwuchs schlecht fühlt und sich für seine Emotionen schämt. Er wird sich dann immer mehr zurückziehen und seine Ängste nicht angemessen verarbeiten.

 

  • Ablenkung: Wer sich rund um die Uhr mit seinen Ängsten beschäftigt, verstärkt diese immer mehr. Besser ist es, schöne Dinge zu unternehmen. Dadurch entstehen positive Gefühle und diese sorgen für neuen Antrieb. Unternimm mit deinem Kind einen schönen Ausflug oder sorge zu Hause für Ablenkung, zum Beispiel durch gemeinsames Backen.

 

  • Unterstützung: Damit es deinem Nachwuchs wieder besser geht, benötigt er zum einen eine Therapie. Zum anderen braucht er Mut, um sich seiner Furcht zu stellen. An dieser Stelle kommst du ins Spiel. Baue das Selbstbewusstsein bei deinem Sprössling wieder auf und biete ihm an, dass du zum Beispiel mit ihm gemeinsam über eine Brücke gehst.

 

Überdenke außerdem deinen Erziehungsstil. Hast du auch Ängste und überträgst diese unbewusst auf deinen Sprössling? Dann solltest du dir ebenfalls therapeutische Unterstützung suchen.

 

Es braucht eine Weile, bis Angstzustände bei Kindern erfolgreich besiegt werden. Die Behandlung einer schweren psychischen Störung kann sogar mehrere Jahre dauern.

 

Die Mühe lohnt sich, denn mit einer entsprechenden Therapie kann dafür gesorgt werden, dass dein Kind seine Ängste überwindet.

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Daniel Duddek

ÜBER DEN AUTOR

Daniel ist der Entwickler des Stark auch ohne Muckis-Konzeptes. Nachdem er im Jahr 2004 eine Entscheidung gegen die schiefe Bahn und für ein starkes und integres Leben traf, widmete er sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Mobbing. Das zu einer Zeit, in der fast niemand über das Thema sprach. Er ist Vater von zwei Kindern, Erzieher, ausgebildeter Trainer und Coach und hat sein eigenes System in den letzten 12 Jahren erst entwickelt, dann evaluiert und nun so rund geschliffen, dass es wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert, um Kinder nachhaltig zu stärken.

Daniel Duddek

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