Angststörung bei Kindern: Medikamente geben oder nicht?

Verfasst von Daniel Duddek

Ängste bei Kindern sind ganz normal: Die Kleinen erkunden gerade die Welt und begegnen dabei jede Menge neuer Dinge und Situationen. Diese müssen sie für sich erst einmal einordnen und manchmal fürchten sie sich darüber.

Es gibt Kinder, die etwa Angst im Dunkeln haben und ein kleines Nachtlicht zum Schlafen benötigen. Andere Kids haben vielleicht Bammel vor Hunden oder möchten im Urlaub nicht mit in den Flieger steigen.

 

Manchmal entwickelt sich aus einer Furcht jedoch auch eine echte Angststörung, die verschiedene Symptome mit sich bringt. Damit sich dein Liebling wieder besser fühlt, solltet ihr diese behandeln.

 

Eventuell fragst du dich jetzt: „Angststörung bei Kindern – Medikamente geben oder doch etwas anderes dagegen tun?

 

Wir erklären dir, welche Behandlungsmethoden es gibt und ob Arzneimittel notwendig sind.

 

Diese Ängste können Kinder haben

 

Möglicherweise erinnerst du dich an deine eigene Kindheit und daran, wovor du damals Furcht hattest. Viele Kids fürchten sich vor den gleichen Dingen – dies sind entwicklungsbedingte Ängste bei Kindern.

 

Das heißt: Diese tauchen auf, erledigen sich in der Regel im Laufe der Kindheit von allein.

 

Die Furcht beeinflusst das Leben der Kleinen nicht stark und Medikamente oder andere Therapien sind in diesem Fall überflüssig. Im Folgenden erfährst du, wovor sich viele Kids fürchten.

 

Trennungsangst

 

Die Eltern sind in den meisten Fällen die engsten Bezugspersonen eines Kleinkindes. Wird es zum ersten Mal von einem Elternteil getrennt, bedeutet das großen emotionalen Stress.

 

Gerade kleinere Kids können nicht einschätzen, ob Mama oder Papa wiederkommt. Manchmal glauben sie auch, dass die Eltern es nicht mehr lieben.

 

Und vielleicht kennst du das auch: Dein Kind will nicht in den Kindergarten – Trennungsangst kann auch hier der Hauptgrund sein. Schließlich weiß dein Schatz nicht, was ihn erwartet und ob du ihn wieder abholen wirst. Außerdem hat es noch nicht gelernt, sich auch auf andere Menschen zu verlassen.

 

Später kann auch die Angst vor dem Tod der Eltern hinzukommen, sobald deine Tochter oder dein Sohn wissen, dass Menschen sterben können.

 

Vielleicht ist bereits ein enges Familienmitglied gestorben und dein Schatz macht sich Sorgen, dass es eine weitere wichtige Person verliert.

 

Angststörung bei Kindern durch Kinderbilder

 

Furcht vor dem Unbekannten

 

Einige Kids machen sich Gedanken, ob unter ihrem Bett oder im Schrank Monster wohnen. Andere fürchten sich vor Geistern oder Aliens, die plötzlich ins Kinderzimmer fliegen.

 

Die Kleinen haben eine große Fantasie und glauben an die verschiedensten Wesen, die sie etwa aus Bilderbüchern oder Kinderserien kennen.

 

Sie können noch nicht einordnen, dass es bestimmte Kreaturen in Wirklichkeit nicht gibt. Eng damit verbunden ist auch die Angst vor der Dunkelheit. Und möglicherweise hat dein Kind Angst vor lauten Geräuschen, da es diese mit einer drohenden Gefahr in Verbindung bringt.

 

Ob ein möglicher Krieg, ein Brand in der Wohnung oder eine Überschwemmung: Kleinkinder fürchten sich manchmal auch davor, dass Katastrophen aller Art eintreten. Der Grund: Sie sehen in Büchern oder Filmen unschöne Ereignisse und sind verunsichert.

 

 

Versagensängste

 

Gerade ältere Kinder, die bereits in die Schule gehen, machen sich Sorgen, nicht gut genug zu sein. Sie fürchten vielleicht, ihre Eltern zu enttäuschen oder schlechtere Noten als die Mitschüler und Mitschülerinnen zu bekommen.

 

Eventuell haben sie Furcht vor einer bestimmten Klassenarbeit oder einem ganzen Schulfach. Ein Grund dafür kann sein, dass sie in der Vergangenheit bereits für eine schlechte Leistung kritisiert oder ausgelacht wurden.

 

Auch Kids, die im Verein eine Sportart betreiben oder vor Publikum ein Instrument spielen, kennen womöglich Versagensängste.

 

Soziale Ängste

 

Soziale Ängste können in jedem Alter auftauchen. Kids haben eventuell Probleme, Freunde zu finden. Vielleicht sind sie schüchtern und trauen sich nicht, auf andere Kids zuzugehen.

 

Womöglich werden sie auch ausgegrenzt und gemobbt. Dies kann sich durch Worte, aber auch durch Schläge ausdrücken. Es sorgt dafür, dass dein Kind nicht in die Schule gehen möchte.

 

Ängste vor bestimmten Dingen

 

Daneben gibt es noch die Furcht vor bestimmten Dingen. Vielleicht wechselt dein Sprössling die Straßenseite, sobald euch ein Hund entgegenkommt. Möglicherweise traut es sich nicht, in ein Auto einzusteigen, weil es einen Unfall befürchtet.

 

Auch Spinnen können für deine Kids ein Problem sein. Vielleicht haben sie auch ein ungutes Gefühl, wenn sie ins Wasser gehen sollen oder fürchten sich vor Höhe.

 

Manifest der Potenzialentfaltung

 

Wenn aus Ängsten Angststörungen werden

 

Viele Ängste verschwinden mit der Zeit. Deine Kids lernen, Situationen richtig einzuschätzen, sammeln Erfahrungen und werden mutiger.

 

Treten die Ängste aber über Monate auf oder verstärken sich noch, können sich mit der Zeit daraus Angststörungen entwickeln.

 

Diese erkennst du manchmal nicht, denn dein Sprössling kann meist nicht ausdrücken, dass er eine große Furcht vor einer bestimmten Sache hat. Stattdessen fällt dir eventuell auf, dass sich dein Schatz plötzlich ungewöhnlich verhält.

 

Vielleicht reagiert er gereizt, wird laut oder spricht kaum noch. Schüler haben schlechtere Noten oder möchten nicht mehr in die Schule gehen. Hinzu kommen Erscheinungen wie die Folgenden:

 

Dein Kind

 

  • macht ins Bett, obwohl es dafür bereits zu alt ist.
  • beginnt zu stottern, obwohl es bis dahin fließend gesprochen hat.
  • bekommt Bauchschmerzen, die nicht auf schlechtes Essen oder eine körperliche Erkrankung zurückzuführen sind.
  • klagt über Übelkeit, die keinen körperlichen Auslöser zu haben scheint.
  • hat Kopfschmerzen, die ebenfalls kein Symptom einer Krankheit sind.
  • weint viel, obwohl es zuvor ein fröhlicher Mensch war.
  • versteckt sich häufig.
  • wirkt traurig und lacht kaum noch.
  • beginnt vor lauter Furcht zu zittern und atmet schwer.
  • wird aggressiv und schlägt vielleicht andere Kinder, obwohl es zuvor friedliebend und zurückhaltend war.
  • ist besonders anhänglich und möchte dich oder eine andere Bezugsperson nicht aus den Augen lassen.
  • versucht, bestimmte Situationen zu meiden.
  • kann nicht schlafen oder hat häufig Albträume.

 

Übrigens: Neben der Furcht vor einer bestimmten Sache oder Situation, gibt es auch ein generelles Angstgefühl, das keinen spezifischen Auslöser besitzt. Zudem können Panikattacken bei Kindern entstehen, bei denen diese etwa Herzrasen und Atemnot spüren.

 

Aus Ängsten können Angststörungen werden

 

Wie du Angststörungen bei Kindern behandeln kannst

 

Merkst du, dass dein Schatz unter seiner Furcht leidet, solltest du über eine mögliche Therapie nachdenken.

 

Eine Angststörung bei Kindern musst du dabei nicht zwangsläufig mit Medikamenten behandeln. Wir sagen dir, was du tun kannst, damit es deinem Liebling besser geht – und in welchem Fall Arzneimittel doch helfen können.

 

Sei für dein Kind da

 

Ist dein Schatz ängstlich, kannst du mit viel Liebe für ihn da sein. Nimm seine Sorgen ernst und versuche, ihm gut zuzureden.

 

Frage dich zudem, ob du die Situation oder Sache, vor der dein Kind große Furcht hat, ändern kannst. Macht es sich etwa Sorgen, dass seine Noten nicht gut genug sind? Überzeuge es davon, dass du auch dann stolz bist, wenn es keine Eins bekommt.

 

Und wird dein Liebling gemobbt, kann es eventuell helfen, die Klasse oder Schule zu wechseln. Kindern die Angst nehmen kannst du, indem du als starker Part an ihrer Seite stehst und zeigst, dass sie sich auf dich verlassen können.

 

Möglicherweise geht es deinem Schatz nicht gut, da ein Familienmitglied erkrankt oder verstorben ist. Versuche ihm zu erklären, was passiert ist und dass solche Geschehnisse zum Leben dazugehören. Gib ihm Sicherheit, wenn es sich Gedanken macht, selbst zu erkranken.

 

Lass dir und deinem Kind von einem Coach oder Berater helfen

 

Hat dein Kind Furcht vor der Schule, seinen Mitschülern und Mitschülerinnen? Meist ist Mobbing der Auslöser sozialer Ängste. Vielleicht merkst du sogar „Mein Kind wird von anderen Kindern geschlagen“.

 

Nimm in diesem Fall die Hilfe eines Coaches oder Beraters an, der auf das Thema spezialisiert ist.

 

Er kann dein Kind dabei unterstützen, stärker und selbstbewusster zu werden. Auf diese Weise kann es mit der Ausgrenzung besser umgehen und sich gegen die anderen Schülerinnen und Schüler behaupten.

 

Eventuell hast du auch die Möglichkeit, mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer zu sprechen und einen Workshop für die ganze Klasse ins Leben zu rufen. In diesem erklärt der Berater etwa, wie alle Beteiligten weiteres Mobbing bei Kindern verhindern können.

 

 

Denke über eine Psychotherapie nach

 

Manchmal sind die Ratschläge eines Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin die beste Hilfe. Gehe mit deinem Kind zu eurem Kinderarzt und lasst euch eine Überweisung zum Spezialisten ausstellen.

 

Der Profi führt regelmäßig Gespräche mit deinem Schatz. Dabei findet er heraus, welche Ursachen die Furcht hat und gibt seinem Patienten wertvolle Tipps an die Hand. Dein Kind erfährt etwa, wie es sein Denken ändern und die Angst gar nicht erst zulassen kann.

 

Es lernt, Situationen auf eine andere Art und Weise zu sehen und versteht, dass diese nicht Furcht einflößend sind. Daneben kann eine Verhaltenstherapie helfen, bei der dein Sohn oder deine Tochter erfährt, welche Handlungsmuster er oder sie ändern kann.

 

Möglicherweise können Atemübungen oder Sport helfen. Es kann auch möglich sein, dass ihr als Eltern Teil der Therapie werdet. Eventuell seid auch ihr ängstliche Menschen und habt bestimmte Denkmuster auf euren Sprössling übertragen.

 

Eventuell seid ihr auch übervorsichtig. Ihr lernt dann unter anderem, eure negativen Gedanken in positive umzuwandeln und mehr an euch und euren Nachwuchs zu glauben.

 

Manifest der Potenzialentfaltung

 

Angststörung bei Kindern: Lasse dich zu Medikamenten beraten

 

Sind Angstzustände bei Kindern stark ausgeprägt und hilft eine Gesprächs- oder Verhaltenstherapie allein nicht weiter? Dann kannst du – gemeinsam mit dem Therapeuten – über spezielle Arzneimittel nachdenken.

 

Wichtig: Gib deinen Kids niemals ohne Absprache Arzneimittel. Stelle außerdem sicher, dass die Medikamente nur dann angewandt werden, wenn du bereits alle anderen Behandlungsmethoden versucht hast. Halte dich zudem genau an die empfohlene Dosierung.

 

Sogenannte Benzodiazepine eignen sich für akute Angststörungen, während etwa Antidepressiva für eine Langzeitbehandlung eingesetzt werden.

 

Auch Serotonin-Wiederaufnahmehemmer sowie Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer nutzen Experten und Expertinnen für die Therapie.

 

Sie können die unschönen Gefühle zwar vorübergehend mindern. Die Auslöser sind in der Regel aber noch vorhanden.

 

Die Frage „Angststörung bei Kindern – Medikamente oder nicht“ können wir also nicht pauschal mit “Ja” oder “Nein” beantworten. Es kommt darauf an, wie schwer die Furcht ist, wie lange sie bereits andauert und wie dein Nachwuchs damit umgeht.

 

Möchtest du nicht direkt auf starke Arznei setzen, kannst du übrigens auch homöopathische Mittel wie Bachblüten anwenden. Diese eignen sich meist für leichte Angstzustände oder innere Unruhe.

 

Bleibe optimistisch und glaube daran, dass es deinem Schatz wieder besser gehen wird. Es gibt zahlreiche hilfreiche Behandlungsmethoden und dir stehen viele Profis zur Seite.

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Daniel Duddek

ÜBER DEN AUTOR

Daniel ist der Entwickler des Stark auch ohne Muckis-Konzeptes. Nachdem er im Jahr 2004 eine Entscheidung gegen die schiefe Bahn und für ein starkes und integres Leben traf, widmete er sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Mobbing. Das zu einer Zeit, in der fast niemand über das Thema sprach. Er ist Vater von zwei Kindern, Erzieher, ausgebildeter Trainer und Coach und hat sein eigenes System in den letzten 12 Jahren erst entwickelt, dann evaluiert und nun so rund geschliffen, dass es wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert, um Kinder nachhaltig zu stärken.

Daniel Duddek

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