Kind will nicht in den Kindergarten: Trennungsangst

Verfasst von Daniel Duddek

Gestern hat sich dein Sprössling noch auf die Kita gefreut und heute möchte er auf keinen Fall dort spielen? Dann geht es dir wie vielen Müttern. Die Trennungsangst im Kindergarten tritt häufiger auf, als du glaubst.

 

Mit jeder Entwicklungsphase nehmen die Heranwachsenden ihre Umwelt und deren Gefahren anders wahr. Darum kommt es vor, dass ein Kind plötzlich Angst vor lauten Geräuschen hat oder wegen Trennungsangst nicht in den Kindergarten will.

 

Die gute Nachricht ist, dass diese Phase normalerweise nach einigen Wochen wieder vorbei ist. Während dieser Zeit solltest du stark bleiben und dein eigenes Verhalten reflektieren. Gibst du deinem Sprössling einen Anlass für seine Angstgefühle?

 

Manche Eltern machen es ihrem Nachwuchs unnötig schwer, indem sie den Abschied morgens in die Länge ziehen. Besser ist es, die Heranwachsenden mit einer kurzen, herzlichen Geste in die Kita zu schicken.

 

Das Ritual kannst du dir gemeinsam mit deinem Sprössling selbst aussuchen. Bei vielen Eltern ist es eine Umarmung oder ein Kuss. Ebenso kannst du ihm mit einem High Five einen schönen Tag wünschen.

 

Sage deinem Kind außerdem, wann du es wieder abholst. Weiß dein Schatz, dass du beispielsweise nach dem Mittagessen wiederkommst, gibt ihm das Sicherheit. Achte zudem darauf, beim Abholen pünktlich zu sein.

 

Verschwindet die Trennungsangst nicht von selbst wieder, sollte ein Kinderarzt oder ein Psychologe dein Kind auf eine Angststörung untersuchen. Unterstützend kann ein Kinder- und Jugendcoach helfen, innere Blockaden zu lösen.

 

Warum will mein Kind nicht in die Kita?

 

Es gibt viele Ursachen, warum ein Heranwachsender plötzlich nicht mehr in den Kindergarten will. Daher können auch die Auslöser sehr unterschiedlich sein.

 

Manchmal ist es eine Entwicklungsphase, in der dein Nachwuchs plötzlich starke Angstgefühle hat. In anderen Fällen führt eine Erkältung dazu, dass dein Sprössling verstärkt Nähe zu dir sucht.

 

Bei der Spurensuche nach den Gründen lohnt es sich, einen kleinen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Gab es in letzter Zeit ein negatives Erlebnis, das deinen Sprössling geprägt hat?

 

Dies können zum einen Veränderungen im familiären Umfeld sein, etwa die Trennung der Eltern oder der Tod eines Verwandten. Ebenso ist es möglich, dass dein Nachwuchs traurig ist, weil ein Freund weggezogen ist.

 

Auch die Erzieher solltest du einbeziehen.

 

  • Gibt es ein Kind, mit dem dein Sprössling oft streitet?
  • Kommt er mit dem Personal gut klar?
  • Ist er gut in die Gruppe integriert?

 

Manchmal findet Mobbing im Kindergarten statt. In diesem Fall ist es verständlich, dass dein Nachwuchs die Einrichtung nicht mehr besuchen will.

 

Weitere Gründe sind folgende:

 

  • Erschöpfung: Kinder müssen noch nicht arbeiten, spielen stattdessen den ganzen Tag. Doch auch das ist sehr anstrengend. Denn dabei bewegen sie sich nicht nur viel mehr als Erwachsende, sondern lernen fast ununterbrochen neue Dinge. Hinzu kommt, dass in der Kita ein hoher Lärmpegel herrscht. Sorge dafür, dass dein Nachwuchs am Nachmittag oder Abend Ruhepausen bekommt, denn diese benötigt er dringend.

 

  • Unverständnis: Am Anfang ist der Kindergarten neu und spannend. Nach einiger Zeit kehrt jedoch Routine ein. Diese gibt Heranwachsenden Sicherheit, führt aber auch zu Langeweile. Irgendwann kennen die Kleinen das gesamte Spielzeug der Kita und würden lieber mit Mama oder Papa etwas Neues erleben.

 

  • Angststörung: Manchmal steckt eine generalisierte Angststörung bei Kindern hinter dem Unwillen, in die Kita zu gehen. Je nach Schweregrad kann eine ärztliche Behandlung erforderlich sein.

 

Spielerische Suche nach den Ursachen

 

Für einen Heranwachsenden ist es nicht einfach, seine Gefühle in Worte zu fassen. Darum kannst du als Elternteil manchmal nur vermuten, was hinter dem Kita-Streik steckt. Je kleiner dein Nachwuchs ist, desto schwerer findest du die Gründe heraus.

 

Sprich regelmäßig mit deinem Kind. Dadurch lernt es, sich genauer auszudrücken. Du bist ihm ein gutes Vorbild, wenn du ebenfalls offen deine Emotionen thematisierst.

 

Dein Nachwuchs lernt dann, dass er diese nicht verstecken muss. Das hilft ihm auch im späteren Erwachsenenleben. Denn wer seine Gefühle verarbeitet, frisst negative Gedanken nicht in sich hinein, bis sie irgendwann herausbrechen.

 

Hilfreich ist es ebenso, dem Nachwuchs von der eigenen Kindergartenzeit zu erzählen. Was hat dir besonders gut gefallen? Gab es Situationen, in denen du nicht in die Kita wolltest? Was hat dir damals geholfen?

 

Überdies kannst du deinen Sprössling spielerisch dabei unterstützen, die Gründe für die Kita-Unlust auszudrücken.

 

Hierfür eignen sich verschiedene Techniken:

 

  • Malen: Setz dich mit deinem Kind hin und sage ihm, ihr wollt gemeinsam ein Bild über den Kindergarten malen. Es kann unter anderem seine Wunsch-Kita oder seine aktuelle Einrichtung zeichnen. Sprich beim Malen mit deinem Nachwuchs über die Zeichnung. Was malt er für Spielsachen? Wie stellt er die anderen Kinder dar? Welche Rolle nehmen die Erzieher ein?

 

  • Rollenspiele: Heranwachsende drücken zwar nicht direkt aus, was sie denken. Allerdings verarbeiten sie ihre Erlebnisse gern in einem Rollenspiel. Biete deinem Sprössling einen entsprechenden Rollentausch an. Das heißt, dein Nachwuchs darf jetzt einmal Mutter sein und du bist das Kind, das nicht in die Kita möchte. Genauso könnt ihr Spielfiguren oder Kuscheltiere zum Nachspielen der Situation nutzen.

 

Höre deinem Nachwuchs außerdem aufmerksam zu, wenn er gerade im freien Spiel ist. Kinder erzählen oft nebenbei, was sie aktuell beschäftigt. Auf diese Weise erfährst du mehr über seine Trennungsangst.

 

Trennungsangst Kindergarten

 

Wie erkenne ich Trennungsangst bei Kindern?

 

Heranwachsende haben eine enge Bindung zu Mama, Papa und anderen Bezugspersonen. Je besser das Eltern-Kind-Verhältnis ist, desto besser entwickelt sich ein Kind.

 

Gleichzeitig bringt diese Verbundenheit auch eine große Abhängigkeit mit sich: Ohne die Fürsorge von Erwachsenen können Kinder nicht überleben. Kein Wunder also, dass ein Kind auf dich fixiert ist und am liebsten den ganzen Tag bei dir sein will.

 

Damit es gern in die Kita geht, muss es dort eine Vertrauensperson haben. In der Regel bekommt es im Zuge der Eingewöhnung eine Bezugs-Erzieherin zur Seite gestellt, die sich besonders intensiv mit ihm beschäftigt.

 

Nach einer Weile versteht es sich im Idealfall mit allen Angestellten gut und spielt gern mit diesen. Schwierig wird es, wenn sich dein Sprössling am Morgen dennoch nicht von dir lösen möchte.

 

Tritt dieses Verhalten durchgehend auf und wirkt es sich auch auf andere Bereiche aus, liegt womöglich eine Angststörung beim Kind vor.

 

Diese äußert sich beispielsweise an diesen Symptomen:

 

  • Rückzug: Hat ein Heranwachsender Angst vor dem Tod der Eltern oder fürchtet, dass diesen etwas passiert, möchte er oftmals nicht mehr nach draußen gehen. Auch Mama und Papa sollen dann zu Hause bleiben. Dein Sprössling hat dann das Gefühl, dass alle sicher sind.

 

  • Panikattacken: Starke Ängste bei Kindern können zu Panikattacken bei Kindern führen. Diese machen sich etwa durch Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit bemerkbar. Sie treten auch dann auf, wenn sich dein Kind vorstellt, dass du nicht bei ihm bist.

 

  • Schlafstörung: Kinder mit Trennungsangst finden oftmals nicht gut in den Schlaf. Sie werden von ihren negativen Gedanken gequält oder leiden an Alpträumen. Zudem kann es vorkommen, dass dein Sprössling nicht mehr im eigenen Bett schlafen möchte.

 

Leidet dein kleiner Schatz unter starker, ständiger Trennungsangst, solltest du einen Kinderarzt aufsuchen. Dieser kann eine körperliche Krankheit ausschließen und dich über mögliche Behandlungsmethoden informieren.

 

Wie verhalte ich mich richtig?

 

Schreit dein Kind morgens beim Abgeben im Kindergarten herum und klammert sich an deinem Bein fest, ist es schwer, als Mama einfach zu gehen.

 

Dennoch hilft es deinem Schatz nicht, wenn du ihn wieder mit nach Hause nimmst. Muss er mehrmals nicht in die Einrichtung, lernt er, dass er mit seinem Verhalten erfolgreich ist. Die Folge: Er wird jeden Morgen auf dem Weg in die Kita weinen.

 

Eine Ausnahme ist es, wenn dein Sprössling nach einer Erkrankung noch nicht wieder ganz gesund ist. Gerade kleine Kinder benötigen oft etwas länger, bis sie wieder fit genug für die Kita sind. Denn der Kindergarten-Alltag bedeutet für Heranwachsende oftmals Stress.

 

Beziehe die Erzieher aktiv mit ein, wenn dein Kind nicht in die Kita will. Sie sollten deinen Nachwuchs nicht von dir losreißen. Stattdessen solltest du deinen Sprössling auf den Arm nehmen und ihm einen Erzieher übergeben.

 

Sage ihm dann noch liebevoll „Tschüß“ und verlasse anschließend die Einrichtung. Meist beruhigt sich ein Heranwachsender von selbst wieder, sobald er das Spielen beginnt.

 

Wichtig hierfür ist, dass sich dein kleiner Schatz in der Gruppe wohlfühlt. Das bedeutet, dass er ein gutes Verhältnis zu den Erziehern und den anderen Kindern haben sollte.

 

Bist du dir unsicher, ob es deinem Kind in der Tagespflege gut geht, sprich mit dem Personal. Du hast natürlich auch das Recht, jederzeit in der Einrichtung anzurufen und nachzufragen, ob es sich beruhigt hat.

 

Hast du das Gefühl, dass dein Sohn oder deine Tochter im Kindergarten nicht gut aufgehoben ist, kannst du einen Wechsel der Gruppe vorschlagen. Viele Einrichtungen haben zwei bis drei Gruppen.

 

Vielleicht findet dein Sprössling bei anderen Kindern mehr Anschluss. Bringt dieses Vorgehen auch keine Besserung, kannst du den Kindergarten wechseln. Das gelingt mehrheitlich nicht von heute auf morgen, kann aber dennoch eine sinnvolle Perspektive sein.

 

Trennungsangst Kind will nicht in den Kindergarten

 

Kind will nicht in den Kindergarten Trennungsangst: Biete deinem Kind Unterstützung

 

Ganz egal, aus welchem Grund dein Nachwuchs nicht in den Kindergarten möchte: Zeige Verständnis und tröste ihn. Manchmal hilft schon gutes Zureden oder das Sprechen über ein interessantes Thema, damit sich ein Kind beruhigt.

 

Zudem kann es nützen, ihm eine Aufgabe zu stellen, zum Beispiel: „Zähl doch heute mal, wie viele Autos ihr im Kindergarten habt.

 

Außerdem unterstützt du dein Kind auf diese Weise:

 

  • Ruhig bleiben: Es hilft deinem Nachwuchs nicht, wenn du dich von ihm aus der Ruhe bringen lässt. Bleibe stattdessen so gelassen wie möglich und nimm dein Kind in die Arme. Damit signalisierst du ihm, dass alles in Ordnung ist und es sich keine Sorgen machen muss.

 

  • Kuscheltier als Beschützer: Gib deinem Sohn oder deiner Tochter ein kleines Kuscheltier mit in die Kita. Du kannst ihm hierfür auch extra ein spezielles Stofftier kaufen. Dieses passt auf deinen Schatz auf, während Mama und Papa nicht da sind.

 

  • Transparent sein: Für dein Kind ist beruhigend zu wissen, wo du bist, während es woanders ist. Erzähle ihm zum Beispiel, dass du gleich ins Büro fährst. Dann weiß es, dass es sich keine Sorgen um dich machen muss.

 

Nicht zuletzt unterstützt du deinen Sprössling emotional, indem du so viel Freizeit wie möglich mit ihm verbringst. Das heißt: Es gilt nicht, wenn ihr zusammen einkauft oder von einem Termin zum nächsten hetzt.

 

Vielmehr geht es darum, dass du dich bewusst mit deinem Nachwuchs beschäftigst. Das stärkt eure Bindung!

 

Genießt so viele gemeinsame Momente wie möglich. Ist es möglich, dass du deine Arbeitszeit reduzierst und deinen Nachwuchs eher aus der Kita abholst? In dieser zusätzlichen Zeit spielt oder unternehmt ihr zusammen etwas Schönes.

 

Je größer das Sicherheitsgefühl ist, desto seltener kommt es vor, dass dein Kind aufgrund von Trennungsangst nicht in den Kindergarten will.

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Daniel Duddek

ÜBER DEN AUTOR

Daniel ist der Entwickler des Stark auch ohne Muckis-Konzeptes. Nachdem er im Jahr 2004 eine Entscheidung gegen die schiefe Bahn und für ein starkes und integres Leben traf, widmete er sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Mobbing. Das zu einer Zeit, in der fast niemand über das Thema sprach. Er ist Vater von zwei Kindern, Erzieher, ausgebildeter Trainer und Coach und hat sein eigenes System in den letzten 12 Jahren erst entwickelt, dann evaluiert und nun so rund geschliffen, dass es wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert, um Kinder nachhaltig zu stärken.

Daniel Duddek

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