Panikattacken bei Kindern: Wie reagieren Eltern richtig?

Verfasst von Daniel Duddek

Herzrasen, Zittern, Todesangst – Das sind typische Symptome, wenn Heranwachsende Panik verspüren. Eltern fühlen sich in diesem Moment oft überfordert und wissen nicht, wie sie richtig reagieren. Die gute Nachricht vornweg: Einfache Mittel wie Verständnis und Ablenkung bewirken in der Regel schon eine deutliche Besserung der Situation.

 

 

Gleichzeitig gilt jedoch: Panikattacken bei Kindern treten ohne Behandlung immer wieder auf. Eine Panikstörung kann sogar dazu führen, dass Heranwachsende das Haus nicht mehr verlassen.

 

Erhalten sie dann keine Unterstützung von ihren Eltern und kompetenten Psychologen, können Schulabbruch und Selbstmordgedanken die Folge sein.

 

Eine Panikstörung kann in jedem Alter auftreten. Oftmals sind Jugendliche aber häufiger betroffen. Ursachen sind insbesondere Mobbing, Leistungsdruck oder Gewalt in der Familie.

 

Ebenso kann eine nicht behandelte, generalisierte Angststörung aus dem Kleinkindalter zu Panikattacken führen. Aus diesem Grund solltest du bei psychischen Problemen mit deinem Schatz frühzeitig einen Arzt aufsuchen.

 

Panikattacken sind keine Lappalie – werden sie nicht ernst genommen, verhindern sie langfristig ein selbstbestimmtes Leben deines Sprösslings. Du musst dich nicht dafür schämen, dir in einem solchen Fall Hilfe zu suchen.

 

Ganz im Gegenteil: Je offener du mit der Krankheit umgehst, desto mehr spürt dein Schatz, dass es nichts falsch gemacht hat. Fühlt es sich hingegen schuldig, steigert es sich noch mehr in die Situation hinein. 

 

Damit du deinen Sprössling bei einer Panikstörung so gut es geht unterstützen kannst, erläutern wir dir in diesem Artikel die häufigsten Symptome bei Panikanfällen. Darüber hinaus geben wir dir Tipps, wie du einem Heranwachsenden im Ernstfall zur Seite stehst.

 

Manifest der Potenzialentfaltung

Die häufigsten Symptome für Panikattacken bei Kindern

 

Häufig ist für Außenstehende nicht nachvollziehbar, wie sich Betroffene bei einer Panikattacke fühlen. Anders als physische Verletzungen sind psychische Schmerzen nicht sichtbar.

 

Um einen Heranwachsenden besser zu verstehen, kannst du dich an einer Situation erinnern, in der du große Angst hattest. Dann verstehst du in etwa, was dein Sprössling Tag für Tag durchmacht. 

 

Die häufigsten Anzeichen bei einer Panikattacke sind:

 

  • Schweißausbrüche: In einer Angstsituation schwitzen sowohl Kinder als auch Erwachsene häufig sehr stark. Hinzu kommt oft ein starkes Zittern, das typischerweise eher beim Frieren auftritt.

 

  • Benommenheit: Während einer Attacke entsteht manchmal das Gefühl, das Umfeld nicht mehr bewusst wahrzunehmen. Parallel dazu treten nicht selten Übelkeit und Schwindel auf. Wichtig ist, dass du ruhig mit deinem Sprössling sprichst und ihm gut zuredest.

 

  • Herzrasen: Herzrasen und Atemnot haben zur Folge, dass dein Sprössling unter Todesangst leidet. Diese Symptome treten bei besonders schlimmen Panikattacken auf. Ist dein Schatz überfordert, beginnt es vielleicht zu weinen, schreien oder hyperventiliert.

 

  • Angst: Betroffene sind in einem Teufelskreis gefangen. Die schlimmen Erlebnisse während der Panikattacke sorgen für Angst vor weiteren Attacken. Das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich neue Angstanfälle auftreten. 

 

Treten lediglich leichte Anzeichen auf, ist die Situation für Eltern nicht gut einschätzbar. Manche Eltern bekommen eine Angststörung bei ihren Kindern zu Beginn erst gar nicht mit. Zieht sich ein Heranwachsender zurück, meinen Mütter häufig, in diesem Verhalten Mobbing zu erkennen.

 

Mobbing ist zwar ein häufiger Auslöser für Ängste bei Kindern und trägt zum Abbruch sozialer Kontakte bei, verlangt jedoch einen anderen Behandlungsansatz.

 

Im Idealfall vertraut dir dein Sprössling seine Sorgen an. Die Grundlage hierfür ist ein gutes Mutter-Kind-Verhältnis. Möchte dein Schatz (noch) nicht mit der Sprache herausrücken, beobachte ihn im Alltag etwas genauer.

 

Typisch für eine Angststörung ist das Umgehen der Situationen, in denen es bereits zu einem Panikausbruch gekommen ist.

 

Panikattacken bei Kinden

 

Wann gilt ein Angstzustand als Panik?

 

Für Laien ist kaum zu unterscheiden, ob die Angst vor bestimmten Situationen krankhaft ist oder nicht. Beispielsweise verspürt eine Person, die Hunden auf der Straße ausweicht, nicht unbedingt Panik vor den Tieren. Und jemand, der das Fliegen meidet, findet womöglich einfach Bahnfahren schöner.

 

Natürlich machst du dir als Mutter Sorgen, wenn es deinem Sprössling nicht gut geht. Da Heranwachsende verschiedene Entwicklungsphasen durchleben, musst du nicht gleich einen Arzt aufsuchen, wenn dein Schatz plötzlich Angst vor dem Tod der Eltern hat.

 

Es ist vollkommen normal, dass ein Kind Verlustangst entwickelt. Verschwinden die Symptome nach einigen Wochen aber nicht von allein wieder, kann es sich um eine krankhafte Angststörung handeln.

 

Anzeichen für eine Panikstörung sind:

 

  • Regelmäßigkeit: Verspürt dein Sprössling mehrmals pro Woche Panik vor bestimmten Situationen bzw. Dingen oder auch aus dem heiteren Himmel heraus, liegt womöglich eine psychische Erkrankung vor. Achte auch auf die im vorherigen Abschnitt beschriebenen Symptome.

 

  • Vermeidung: Möchte dein Sprössling bestimmte Dinge nicht mehr unternehmen, die ihm früher Spaß machten? Traut es sich nicht mehr ins Kino oder in Geschäfte? Je mehr Situationen es vermeidet, desto größer sind seine Ängste.

 

  • Anhänglichkeit: Zieht sich ein Heranwachsender aus bestimmten Situationen zurück, sucht er dafür andere Rückzugsorte. So kann es beispielsweise vorkommen, dass ein Kind plötzlich Angst hat, alleine zu schlafen.

 

  • Ausschließlich psychische Symptome: Körperliche Krankheiten lösen mitunter auch Schweißausbrüche und Benommenheit aus. Ist dein Schatz jedoch physisch fit, haben die Beschwerden einen seelischen Auslöser. 

 

Suche mit deinem Sprössling am besten einen Arzt auf, wenn er ständig Angst hat. Dieser untersucht ihn zunächst körperlich, um eine andere Krankheit auszuschließen. Je offener ein Heranwachsender über seine Situation spricht, desto genauer fällt die Diagnose aus.

 

Neben Panikattacken gibt es eine Reihe weiterer psychischer Störungen, zum Beispiel Zwangsstörungen oder Depressionen. Nach dem Befund stellt der Arzt eine Überweisung für einen Psychologen aus.  

 

Wie kannst du mit Panikattacken bei Kindern umgehen & unterstützen?

 

Leidet dein Schatz an einer Panikstörung, liegt ein langer Weg vor euch. Eine psychologische Behandlung nimmt mehrere Monate, manchmal sogar Jahre in Anspruch.

 

Selbst bei einem Therapieerfolg ist nicht garantiert, dass die Attacken für immer weg sind. Generell sind die Behandlungserfolge jedoch sehr gut.

 

Je früher dein Schatz mit einer Psychotherapie beginnt, desto schneller verschwinden die Symptome meist wieder. Liegt eine schwere psychische Störung vor, verschreibt ein Arzt zusätzlich Medikamente.

 

Diese bringen deinen Sprössling erst einmal wieder zur Ruhe. Zunächst können homöopathische Mittel, wie etwa Bachblütentropfen, zum Einsatz kommen. Helfen diese nicht, gibt es stärkere Arzneimittel. Diese sollten jedoch nicht für immer eingenommen werden und ersetzen keine psychologische Behandlung!

 

Neben den regelmäßigen Terminen bei einem Psychologen kannst auch du eine Menge tun, damit sich dein Kind besser fühlt:

 

  • Verständnis zeigen: Panik zu haben, ist eine schlimme Situation für deinen Sprössling. Hilf ihm dabei, sich nicht hilflos zu fühlen! Zeige Verständnis für seine Situation und sei während einer Panikattacke an seiner Seite. Macht gemeinsam Atemübungen und lenke ihn von der Situation ab. Hierfür könnt ihr beispielsweise über ein schönes Erlebnis sprechen. Darüber hinaus hilft Bewegung. Mach beispielsweise Musik an und tanzt gemeinsam!

 

  • Miteinander sprechen: Je besser du die Gefühle deines Schatzes verstehst, desto besser kannst du ihm helfen. Was sind die Auslöser der Attacken? Wie fühlt es sich in diesem Moment? Lasse dir so viel wie möglich erzählen, ohne die Emotionen zu bewerten. Zusätzliche Hilfe kann ein Kinder- und Jugendcoach bieten.

 

  • Sicherheit geben: Eltern sind nicht den ganzen Tag an der Seite ihrer Sprösslinge. Überlegt euch Exit-Strategien, damit dein Kind Sicherheit im Alltag hat. Was kann es tun, wenn in der Schule eine Attacke ausbricht? Wie verhält es sich, wenn es allein zu Hause ist? Außerdem hilft es, das Selbstbewusstsein deines Kindes zu stärken.

 

Manifest der Potenzialentfaltung

Kann ich die Entstehung von Panikattacken bei Kindern vermeiden?

 

Jeder Mensch kann an einer Panikstörung erkranken – vom Kleinkind bis zum hohen Erwachsenenalter. Über den Ausbruch psychischer Krankheiten bestimmen zu einem Teil die Gene mit.

 

Das heißt aber nicht, dass du dich dem Schicksal ergeben musst. Es gibt viele Wege, präventiv vorzugehen und die Resilienz bei Kindern zu fördern.

 

Eine essenzielle Rolle spielt deine Erziehung. Heranwachsende mit ängstlichen Eltern haben oftmals selbst psychische Probleme. Biete deinem Kind einen sicheren Rahmen, aber lass es Dinge selbst ausprobieren! Bremse seinen Entdeckerdrang nicht aus!

 

Darüber hinaus kannst du einem Schatz eine optimistische Lebenseinstellung vermitteln. Er hat eine schlechte Zensur von der Schule mit nach Hause gebracht? Dann setze deinen Sprössling nicht unter Leistungsdruck! Jeder hat mal einen schlechten Tag. Biete ihm stattdessen Hilfe beim Lernen an. 

 

Ähnliches gilt für das Ausprobieren neuer Hobbys. Nimm keine Bewertung vor, ob Tanzen, Fußball spielen und Basteln gut oder schlecht ist. Ein Heranwachsender muss selbst herausfinden, welche Dinge ihm liegen und Spaß machen.

 

Möchte dein Sohn Ballett tanzen oder deine Tochter Basketball spielen? Liebt dein Sohn die Farbe Pink und deine Tochter das Basteln in der Garage? Gut so! 

 

Jedes Kind hat das Recht, sich frei von gesellschaftlichen Vorurteilen auszuprobieren! Das gilt selbstverständlich auch für Erwachsene. Leider sind diese oftmals zu verkopft und lassen sich von gesellschaftlich veralteten Normen davon abhalten, ihre wahre Leidenschaft zu entdecken.

 

Freiraum ist jedoch gerade für Heranwachsende notwendig, um zu sich selbst zu finden. Je glücklicher sie mit ihrem Leben sind, desto stärker ist die psychische Widerstandskraft. 

 

Grenzen setzen solltest du hingegen beim Thema Medienkonsum. Heranwachsende im Klein- und Grundschulalter sollten so wenig Medien wie möglich konsumieren. Achte auf gewaltfreie und altersgerechte Inhalte.

 

Ebenfalls wichtig: Sprich mit deinem Sprössling über das, was er gesehen hat. Das trägt dazu bei, Panikattacken bei deinen Kindern zu vermeiden.

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Daniel Duddek

ÜBER DEN AUTOR

Daniel ist der Entwickler des Stark auch ohne Muckis-Konzeptes. Nachdem er im Jahr 2004 eine Entscheidung gegen die schiefe Bahn und für ein starkes und integres Leben traf, widmete er sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Mobbing. Das zu einer Zeit, in der fast niemand über das Thema sprach. Er ist Vater von zwei Kindern, Erzieher, ausgebildeter Trainer und Coach und hat sein eigenes System in den letzten 12 Jahren erst entwickelt, dann evaluiert und nun so rund geschliffen, dass es wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert, um Kinder nachhaltig zu stärken.

Daniel Duddek

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