Mobbing in der Grundschule erkennen & verhindern: 10 Tipps

Verfasst von Daniel Duddek

Fiese Spitznamen, Gerüchte, Lästereien: Mobbing hat viele Gesichter. Bereits in der ersten Klasse leiden Kinder unter Ausgrenzung, Beleidigungen und Diskriminierung durch Gleichaltrige. Manchmal sind die Angriffe verbal.

 

Manchmal arten sie in Psychoterror und körperliche Gewalt aus. Wie du Mobbing in der Grundschule erkennst und wie du den betroffenen Kindern helfen kannst, erfährst du hier.

 

 

Anfangs ist Lucas von der Schule begeistert: Der Siebenjährige lernt schnell. Oft schneller als seine Mitschüler*innen. Im Unterricht ist er mit Feuereifer dabei.

 

Wann immer die Lehrkräfte eine Frage stellen, geht sein Finger nach oben. Freundschaften schließt er in der Klasse allerdings nicht. „Wir spielen nicht mir dir!“, hatte ihm sein Klassenkamerad Niklas entgegengeschleudert.

 

Dabei bleibt es nicht. Die anderen meiden Lucas. Niemand spricht mehr mit ihm. Er ist unsichtbar. Wie Luft.

 

Dass etwas nicht stimmt, merken die Eltern erst verspätet. Plötzlich macht Lucas keine Hausaufgaben mehr. Der Spaß am Lernen wirkt wie weggeblasen. Der Junge klagt häufig über Unwohlsein. Aber seine Kinderärztin kann nichts Ungewöhnliches feststellen. Lucas ist kerngesund. Trotzdem tut er alles, um nicht in die Schule gehen zu müssen. Er erfindet Ausreden oder er versteckt sich. Seine Eltern sind ratlos.

 

Erst, als sie ein Nachbarkind auf die Situation in der Schule ansprechen, erfahren sie, was los ist: Ihr Sohn wird von den anderen Kindern ausgegrenzt und ausgelacht. Lucas ist ein Mobbingopfer.

 

Laut der PISA-Studie 2018 werden in Deutschland sechs Prozent der 15-jährigen Mädchen und Jungen Opfer von Mobbing in der Schule.

 

Aber die Hänseleien beginnen oft viel früher: im Kindergarten oder in der Grundschule. Eine konkrete Statistik, die die Situation in den ersten vier Klassen beleuchtet, gibt es bislang nicht.

 

Hilfe gegen Mobbing in der Schule

 

Wo fängt Mobbing in der Grundschule an?

 

Streit und Kabbeleien unter Kindern sind nichts Ungewöhnliches. Wenn zwei gleichrangige Grundschüler*innen einen Konflikt miteinander austragen, ist das kein Alarmsignal.

 

Anders sieht es aus, wenn sich mehrere stärkere Kinder zusammentun, um systematisch auf einem schwächeren, isolierten Kind herumzuhacken. Meistens gibt es in dieser Gruppe Täter*innen und Mitläufer*innen. Letztere verfolgen das Geschehen. Sie sind aber nicht unbedingt aktiv an den Quälereien beteiligt.

 

Pädagog*innen sprechen von Mobbing, wenn ein Mädchen oder ein Junge regelmäßig von Klassenkamerad*innen beleidigt, lächerlich gemacht oder seelisch und/oder körperlich verletzt wird.

 

Das Mobbingopfer ist dabei in der schwächeren Position. Es sieht keine Möglichkeit dazu, sich zu wehren. Die Angriffe können sich über Tage, Wochen, Monate oder Jahre hinziehen. Und sie hinterlassen Spuren.

 

Mobbing Grundschule: Wie entsteht es & welche Formen gibt es?

 

Die Gewalt kann verbal, psychisch und körperlich ausfallen. Oft verschlimmern sich die Übergriffe mit der Zeit, wenn eine Gegenwehr ausbleibt. Gemobbte Kinder vertrauen sich meistens niemandem an. Sie sprechen nicht mit Lehrkräften, Eltern oder älteren Geschwistern.

 

Dahinter steckt die Angst, die Situation zu verschlimmern. Schließlich gilt das als „petzen“. Solch ein Verhalten ist verpönt und hat nicht selten weitere Angriffe als „Strafe“ zufolge. Dadurch bleibt das Leiden der Opfer verborgen.

 

Typische Formen von Mobbing sind:

 

  • Verbale Gewalt

Vielleicht fängt eine Kindergruppe an, ein bestimmtes Kind zu beleidigen. Es bekommt möglicherweise einen Spottnamen. Oder die anderen Kinder denken sich Reime auf seinen Vor- oder Nachnamen aus, um es lächerlich zu machen. 

Sie pöbeln das Kind an oder bringen ihm offen Verachtung entgegen.

 

  • Psychische Gewalt 

Als psychische Gewalt gilt es, wenn Kinder Lügen und Gerüchte über eine*n bestimmte*n Mitschüler*in verbreiten. Möglicherweise schüchtern sie ihre*n Klassenkamerad*in ein. Oder verbieten ihr/ihm sogar den Kontakt zu anderen Kindern aus der Klasse.

 

  • Körperliche Gewalt

Wird ein Kind von seinen Mitschüler*innen geschlagen, getreten oder geschubst, ist es Opfer körperlicher Gewalt. Dazu zählen auch Übergriffe wie ein Bein stellen, Treten oder Anspucken.

 

  • Virtuelle Gewalt

Auch Grundschulkinder haben Zugang zu PC, Smartphone und Tablet. Die in der Schule erlebte Ausgrenzung kann sich im Internet fortsetzen. Die Verbreitung von erniedrigenden Kommentaren, Bilder und fiesen Sprüchen geht in der digitalen Welt rasend schnell.

 

Beispiele für Cybermobbing:

 

  • Das Kind erhält gemeine oder beleidigende Nachrichten per Chat oder WhatsApp.
  • Jemand postet böse Bemerkungen, unvorteilhafte Fotos oder Videoclips.
  • Es kommt zu anonymen Anrufen oder Anrufen, bei denen das Kind beleidigt und verbal angegriffen wird.

 

Manifest der Potenzialentfaltung

 

Warum passieren diese Übergriffe?

 

Meistens wird ein Kind zur Zielscheibe, weil es aus der Masse heraussticht. Es hebt sich aufgrund von äußeren Merkmalen, seines Charakters oder Verhaltens von der Mehrheit ab. Das wird nicht als Bereicherung, sondern als Makel identifiziert.

 

  • Vielleicht gehört es zu einer kulturellen, religiösen oder sexuellen Minderheit.

 

  • Oder es kleidet sich anders als die übrigen Kinder in der Klasse. Vielleicht trägt es weniger modische Kleidung, keine Markenklamotten oder hat einen ganz eigenen Stil.

 

  • Möglicherweise gibt die schlechte finanzielle Situation der Eltern Anlass zum Spott. Oder die Eltern des gemobbten Kindes leben getrennt/sind geschieden.

 

  • Ebenso kann sich die Abneigung der Gruppe auf ein Kind konzentrieren, das gerade neu in die Klassengemeinschaft gekommen ist. In dem Fall fehlt dem Neuankömmling der Rückhalt.

 

  • Auch ungewöhnliche Hobbys oder auffällige Verhaltensweisen führen manchmal zur Ausgrenzung aus der Klasse.

 

Wie erkenne ich, dass ein Kind in der Grundschule gemobbt wird?

 

Verschiedene Anzeichen können darauf hindeuten, dass ein Kind Opfer von Mobbing in der Grundschule ist. Falls du einen entsprechenden Verdacht hast, sprich das Kind behutsam darauf an.

 

Achte dabei auf deine Formulierungen:

 

  •  „Mir ist aufgefallen, dass…“,
  • „Ich glaube, dir geht es im Moment gar nicht gut…“
  • „Ich habe den Eindruck, dass…”

 

Auch mit Eltern und Lehrkräften solltest du dich schnellstmöglich austauschen.

 

7 Signale dafür, dass ein Kind in der Klasse gemobbt wird

 

Achte auf diese Anzeichen:

 

  1. Das Kind möchte auf einmal nicht mehr in die Schule gehen, obwohl es früher gern gelernt hat (Andere Gründe wie einen Lehrer*innenwechsel sind ausgeschlossen.).
  2. Vielleicht klagt das Kind verstärkt über psychosomatische Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen, leidet unter Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit.
  3. Es beteiligt sich nicht mehr am mündlichen Unterricht. Früher war es ein*e aktive Schüler*n. Jetzt hält sie/er sich zurück.
  4. Das Kind isoliert sich. Es verabredet sich nach der Schule nicht mehr mit anderen Kindern.
  5. Sein Selbstwertgefühl liegt im Keller: Es traut sich nichts mehr zu, wirkt traurig und mutlos. Möglicherweise weint es viel.
  6. Die schulischen Leistungen verschlechtern sich.
  7. Eventuell zeigen sich an Armen und Beinen blaue Flecken oder Verletzungen.

 

Grundschule Mobbing

 

Welche Folgen hat Mobbing in der Grundschule?

 

Sowohl Opfer als auch Täter*innen leiden unter den Mobbingvorfällen. Beide brauchen Hilfe. Aber auf unterschiedliche Weise.

 

Gemobbte Kinder entwickeln häufig eine ausgeprägte Schulangst. Ihre Leistungen lassen nach. Das gilt besonders für die mündliche Mitarbeit. Sie ziehen sich zurück, um so wenig wie möglich aufzufallen. Auf diese Weise wollen sie neue Angriffe vermeiden.

 

Manche schwänzen den Unterricht oder finden Erklärungen, warum sie nicht zur Schule gehen können. Das erschwert es ihnen langfristig, sich Wissen anzueignen und das Bestmögliche aus sich herauszuholen.

 

Auch vertrauensvolle Bindungen zu anderen Menschen bleiben auf der Strecke.

 

Psychosomatische Beschwerden wie Schmerzen, Depressionen und Suizidalität sind weitere mögliche Folgen. Studien zeigen, dass Mobbingerfahrungen in der Kindheit tiefe Narben hinterlassen: Darunter leidet die psychische Gesundheit der Betroffenen bis ins Jugend- und Erwachsenenalter hinein.

 

Besonders weitreichend sind die Folgen, wenn die Übergriffe aufgrund von Vorurteilen entstehen.

   

Mobbingtäter*innen

 

Allerdings bleiben die Übergriffe auch für die Verursacher*innen nicht folgenlos. Wenn diese mit ihren Attacken durchkommen, gelingt es ihnen nicht, starke Persönlichkeiten auszubilden.

 

Sie profilieren sich, indem sie andere abwerten. Aber sie entwickeln kein stabiles Selbstwertgefühl. Ihnen fällt es schwer, recht und unrecht auseinanderzuhalten. Wichtige Werte wie Ehrlichkeit, Mitgefühl und Gerechtigkeit lernen diese Kinder nicht.

 

Eventuell führt das in ihrem späteren Leben dazu, dass sie beruflich nicht vorwärtskommen oder sogar auf die schiefe Bahn geraten. Was nicht vergessen werden darf: Die moderne Arbeitswelt besteht in der Regel aus bewusst divers zusammengesetzten Teams und Belegschaften.

 

Ohne die Fähigkeit, sich auf unterschiedliche Menschen einzustellen und sich in heterogene Teams zu integrieren, haben Täter*innen einen schweren Stand im Berufsleben.

 

Darum ist es sinnvoll, dass Pädagog*innen auch diese Gruppe in den Blick nehmen.

 

Manifest der Potenzialentfaltung

 

Strategien gegen Mobbing

 

Durch Gewalterfahrungen in der Schule entstehen Ängste bei Kindern. Diese setzen sich schlimmstenfalls bis ins Erwachsenenalter fort. Darum ist es wichtig, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

 

Es ist möglich, Kinder gegen Diskriminierung zu rüsten.

 

Die wirksamste Waffe gegen Mobbing im Kindergarten, Mobbing in der Schule und im späteren Leben ist, das Selbstbewusstsein von Kindern zu stärken. Welche Strategien gegen Mobbing gibt es konkret?

 

3 Tipps, wie du das Selbstbewusstsein von Kindern stärken kannst:

 

  • Rollenspiele einsetzen
    Kinder haben eine rege Fantasie. Wenn sie sich in Superheld*innen oder Angehörige des Königshauses verwandeln, nehmen sie ganz automatisch eine selbstbewusste Körperhaltung ein: Sie stehen aufrecht, nehmen die Schultern zurück und richten den Blick geradeaus.

 

  • Erfolgserlebnisse ermöglichen
    Kinder lieben es, zu lernen. Sie brauchen für ihre Entwicklung allerdings entsprechende Angebote und Reize. Ermögliche es Kindern, viele Erfahrungen – auch außerhalb von Kindergarten und Schule – zu machen. Das kann ein neuer Sport sein. Oder ein Umweltprojekt in der Natur. Hauptsache, das Kind kann sich dabei einbringen und zeigen, was es kann. Lobe das Kind („Darauf kannst du wirklich stolz sein!“) und ermutige es dazu, seine Leistung selbst zu bewerten. Achte darauf, dass die Leistung wirklich erwähnenswert ist. Wichtig ist, dass das Kind selbst entdeckt, dass es etwas bewirken kann. Dass es Fähigkeiten und Stärken besitzt.

 

  • Selbstverteidigung lehren
    Durch Karate oder Judo entwickeln Kinder ein bemerkenswertes Selbstbewusstsein. Sie bekommen durch das Training ein Gefühl für ihren Körper. Sie sind fit, erleben sich als leistungsfähig und lernen, andere zu respektieren. Beim Training steht die Arbeit mit anderen im Team im Vordergrund. Sie erfahren, wie sie Kämpfen aus dem Weg gehen können und was wahre Stärke ist. Kampfsportarten vermitteln wichtige Werte und tragen dazu bei, Kinder für den Schulalltag (und ihr späteres Leben) zu stärken. Dadurch verändert sich ihre Ausstrahlung. Wenn sie diese Körperhaltung auch in der Schule zeigen, sind sie weniger angreifbar. (Mobber suchen gezielt nach Schwächeren. Gegenwehr verunsichert.)

 

Erwachsene unterstützen

 

Eltern und Lehrkräfte bekommen die Angriffe im Schulalltag zwar teilweise mit. Aber sie fühlen sich oft machtlos. Ihnen fehlt die notwendige pädagogische Ausbildung, um mit dieser Situation umzugehen.

 

Dafür gibt es Kinder- und Jugendcoaches: Sie vermitteln Betreuungspersonal, wie sie in einem Mobbingfall reagieren und die gewalttätigen Übergriffe unterbinden können.

 

Bei Stark auch ohne Muckis kannst du eine fundierte pädagogische Ausbildung zum Kinder- und Jugendcoach absolvieren. Mit diesem fachlichen Hintergrund besitzt du das Rüstzeug, um Eltern und Lehrkräften eine umfassende Mobbing Beratung zu ermöglichen und Kinder bestmöglich zu unterstützen.

 

Lehrer werden aktiv gegen Mobbing

 

Fazit Mobbing Grundschule

 

Mobbingvorfälle ziehen sich durch sämtliche Gesellschaftsschichten. Diese Vorfälle betreffen Menschen aller Altersgruppen. Bereits in den unteren Klassen kann es zu verbalen oder körperlichen Übergriffen kommen.

 

Je eher diese belastende Situation aufgelöst wird, desto besser. Hilfe brauchen sowohl die Opfer als auch die Täter. Es ist wichtig, das Selbstbewusstsein schüchterner Kinder zu stärken.

 

Mobbende Kinder brauchen Unterstützung dabei, wie sie sich als stark erleben können, ohne andere zu erniedrigen. Wenn pädagogische Fachkräfte und Eltern Hand in Hand arbeiten, lassen sich Mobbingerfahrungen in der Schule am ehesten verhindern. Lass uns gemeinsam zu einem respektvollen Miteinander beitragen!

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Daniel Duddek

ÜBER DEN AUTOR

Daniel ist der Entwickler des Stark auch ohne Muckis-Konzeptes. Nachdem er im Jahr 2004 eine Entscheidung gegen die schiefe Bahn und für ein starkes und integres Leben traf, widmete er sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Mobbing. Das zu einer Zeit, in der fast niemand über das Thema sprach. Er ist Vater von zwei Kindern, Erzieher, ausgebildeter Trainer und Coach und hat sein eigenes System in den letzten 12 Jahren erst entwickelt, dann evaluiert und nun so rund geschliffen, dass es wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert, um Kinder nachhaltig zu stärken.

Daniel Duddek

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