Angststörung bei Kindern erkennen und behandeln

Verfasst von Daniel Duddek

Spielen und toben, mit Freunden treffen, Spaß haben – so stellen sich viele Menschen eine unbeschwerte Kindheit vor. Leidet ein Heranwachsender jedoch unter Ängsten, belasten diese den fröhlichen Alltag. Dabei spielt es keine Rolle, wie alt dein Sprössling ist. Eine Angststörung bei Kindern kann bereits bei Kleinkindern auftreten, auch wenn das selten der Fall ist. Häufig gehen Ängste mit belastenden Situationen einher und entstehen während der Schul- bzw. Jugendzeit.

 

 

Je eher eine psychosomatische Störung behandelt wird, desto besser stehen die Chancen für eine schnelle Heilung. Ignorierst du jedoch die ersten Anzeichen und suchst zu spät einen Psychologen mit deinem Sprössling auf, riskierst du eine chronische Angststörung.

 

Diese zu behandeln, nimmt mehrere Jahre in Anspruch. In manchen Fällen treten die Ängste aus der Kindheit selbst im Erwachsenenalter immer wieder auf.

 

Auch das Umfeld eines Heranwachsenden spielt eine entscheidende Rolle – sowohl bei der Entstehung als auch bei der Behandlung einer Störung.

 

Wächst ein Kind um Beispiel in einem sozialen Brennpunkt auf, erlebt es dort womöglich schon in den frühen Lebensjahren häufig Gewalt. Daneben können Alkohol und Drogen zu psychischen Problemen führen.

 

Welche weiteren Faktoren den Ausbruch einer Angststörung bei Kindern fördern, wie du diese erkennst und deinen Sprössling bei der Bewältigung unterstützt, erfährst du in diesem Artikel.

 

Ab wann haben Heranwachsende Angst?

 

Angst ist ein natürlicher Reflex, der in unserem Inneren verwurzelt ist. Schon die Steinzeitmenschen empfanden Furcht. Näherte sich ihnen ein gefährliches Tier, ergriffen sie schnellstens die Flucht, um zu überleben.

 

Ohne das Spüren von Angst wäre die Menschheit vielleicht schon längst ausgestorben.

 

Daneben zeigt ein Blick in die Natur, wie wichtig das Gefühl Angst ist. Mäuse flüchten vor Katzen, Katzen flüchten vor Hunden. Derartige Beispiele gibt es viele. Solange ein Tier natürliche Feinde hat, überlebt es ohne Angst nicht.

 

Es ist demnach ganz normal, wenn dein Sprössling zu dir kommt, weil er sich vor etwas fürchtet. Insbesondere Kleinkinder können ihre Emotionen noch richtig deuten.

 

Sie sind schnell überfordert und suchen die Nähe einer vertrauten Person, sobald etwas unheimlich ist. Auch ein lautes Geräusch oder ein Schatten lösen solche Reaktionen aus.

 

Das Gefühl von Angst verspüren Babys von Geburt an. Manche Säuglinge reagieren sogar sehr empfindlich auf Geräusche. Sie wachen zum Beispiel auf, wenn es an der Tür klingelt oder sie eine Sirene hören.

 

Während des ersten Lebensjahres kommen weitere Ängste hinzu. In den ersten Monaten lassen sich Babys von jeder Person trösten. Mit etwa acht Monaten kommen sie dann in die Fremdelphase und verlangen nach Mama oder Papa.

 

Typisch für Kinder sind diese Ängste:

 

  • Geister: In den ersten Lebensjahren können Heranwachsende nicht zwischen Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden. Darum verstehen sie nicht, dass es Geister und Monster in der Realität nicht gibt. Ratsam ist es daher, Bücher mit Fabelwesen bis zum Schulalter zu meiden.

 

  • Verlust: Verlustangst äußert ein Kind in verschiedenen Formen. Im Kleinkindalter möchte es sich nicht von seinen Eltern trennen. Im Grundschulalter äußern viele Heranwachsende konkret die Sorge, dass engen Bezugspersonen etwas zustößt.

 

  • Mobbing: Der Ausschluss aus einer Gruppe trifft Heranwachsende hart. Jugendliche haben daher oft Angst, dass sie zum Außenseiter werden.

 

Angststörung bei Kindern

 

Woran erkennst du eine Angststörung bei Kindern?

 

Eltern erkennen eine psychische Störung bei ihrem Sprössling oftmals erst dann, wenn diese bereits stark ausgeprägt ist. Der Grund hierfür ist, dass Ängste bei Kindern normal sind. Im Grundschulalter etwa haben viele Heranwachsende Angst vor dem Tod der Eltern.

 

Als Teenager treten Zukunftsängste in den Vordergrund. Wenn dein Schatz Nähe und Trost bei dir sucht, ist das folglich noch kein Warnsignal.

 

Sei aufmerksam, wenn du deinen Sprössling nicht beruhigen kannst und die Furcht nach einigen Wochen nicht wieder verschwindet. Befindet sich ein Heranwachsender regelmäßig in einem Angstzustand, kann sich diese Stimmung verfestigen und zu einer psychischen Störung entwickeln.

 

Hast du ein gutes Verhältnis zu deinem Schatz, kommt er mit seinen Problemen vielleicht von selbst zu dir. Viele Heranwachsende schämen sich jedoch für ihre Gefühle oder können diese nicht einordnen. Sie versuchen, mit dieser Überforderung zunächst selbst klarzukommen.

 

In den meisten Fällen gelingt dies allerdings nicht. So wird die Furcht vor bestimmten Situationen mit der Zeit immer größer und entwickelt sich schließlich zu einer psychosomatischen Störung.

 

Beobachtest du die folgenden Verhaltensweisen bei deinem Sprössling, solltest du das Gespräch mit ihm suchen:

 

  • Flucht aus dem Alltag: Dein Kind möchte plötzlich nicht mehr zur Schule gehen oder sagt seine Freizeitaktivitäten ab? Rückzug ist ein Alarmsignal und passiert nie ohne Grund. Ebenfalls wachsam solltest du sein, wenn dein Schatz generell den Kontakt zu anderen Menschen vermeidet. Dieses Verhalten deutet auf eine soziale Phobie hin.

 

  • Bauchschmerzen: Viele Betroffene leiden unter Bauchschmerzen, Übelkeit oder sogar Erbrechen, wenn sie Angst haben. Oft dauert es eine Weile, herauszufinden, dass keine körperliche Krankheit schuld an den Symptomen ist.

 

 

Ursachen für eine Angststörung bei Kindern

 

Warum ein Heranwachsender eine psychische Störung entwickelt, lässt sich nicht immer mit Gewissheit sagen. Manchmal tragen auch mehrere Faktoren dazu bei, dass sich alltägliche Ängste verstärken und den Betroffenen krank machen.

 

Es gibt jedoch einige Ursachen, die häufig im Zusammenhang mit einer Angststörung auftreten.

 

Diese sind:

 

  • Erziehung: Der Erziehungsstil der Eltern bildet die Grundlage für die Entwicklung eines Kindes. Behüten die Eltern ein Kind zu sehr, gibt es Gewalt in der Familie oder fehlen Wärme und Geborgenheit, kann das eine psychische Erkrankung hervorrufen. Fühlt sich ein Heranwachsender hingegen selbstbewusst und geliebt, kann das die Resilienz bei Kindern fördern.

 

  • Traumatische Ereignisse: Erleidet ein Heranwachsender den Verlust einer nahestehenden Person oder stirbt ein Haustier, steht plötzlich das Thema Tod im Raum. Die damit verbundenen Gefühle zu verarbeiten, ist nicht einfach und nimmt einige Zeit in Anspruch. Ebenfalls belastend sind etwa die Trennung der Eltern, Mobbing, eine Krankheit oder ein Unfall.

 

  • Genetik: Auch die Gene beeinflussen, ob ein Heranwachsender anfällig für psychische Erkrankungen ist. Leidet bereits jemand aus der Familie unter verstärkten Ängsten, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass auch das eigene Kind betroffen ist. Hinzu kommt, dass sich elterliche Ängste oft unbemerkt auf die Sprösslinge übertragen.

 

Ebenso entscheiden biologische und individuelle Faktoren darüber, wie gut ein Heranwachsender seine Gefühle verarbeitet. Deswegen ist es wichtig, dass du deinem Sprössling den richtigen Umgang mit Emotionen vermittelst. Der falsche Weg ist es, diese einfach zu verharmlosen oder zu verdrängen.

 

Richtig machst du es hingegen so: Sprich mit deinem Kind offen über deine Gefühle. Zeige ihm, wenn es dir nicht gut geht – und erkläre den Grund dafür. Auf diese Weise lernt es, dass Gefühle etwas Gutes und Wichtiges sind.

 

Auch dein Sprössling soll regelmäßig versuchen, seine Emotionen zu artikulieren. Das hilft ihm auch beim Verarbeiten von angsteinflößenden Situationen.

 

Manifest der Potenzialentfaltung bei Kindern

 

Die verschiedenen Arten der Angst

 

Angst ist nicht gleich Angst. Während manche Heranwachsende ausschließlich bestimmte Situationen meiden, haben andere Angst vor bestimmten Objekten. Angst kann sich aber auch in Form Panikattacken bei Kindern oder mittels Zwangshandlungen bemerkbar machen.

 

Die häufigsten Störungen sind diese:

 

  • Soziale Phobie: Schüchterne und ängstliche Kinder meiden häufig andere Menschen. Sie fühlen sich unsicher, wenn sie im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Darum fürchten sie zum Beispiel auch Referat in der Schule. Müssen sie derartige Situationen dennoch durchstehen, kommen häufig Symptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Zittern dazu.

 

  • Selektiver Mutismus: Selektiver Mutismus tritt oftmals in Verbindung mit einer sozialen Phobie auf. Die Störung wird auch als psychogenes Schweigen bezeichnet. Die Betroffenen haben gesunde Sprechorgane, reden aber in bestimmten Situationen nicht. Sie haben beispielsweise Angst, etwas Falsches zu sagen und sich zu blamieren.

 

  • Objektphobie: Nicht nur vor Situationen, auch vor Objekten können Heranwachsende Angst haben. Häufig treten etwa Ängste vor bestimmten Tieren wie Hunden, Schlangen oder Spinnen auf. Eine solche Störung kann ein Psychologe im Regelfall vergleichsweise schnell und effektiv durch eine Verhaltenstherapie behandeln.

 

  • Zwangsstörung: Übt dein Sprössling bestimmte Handlungen immer wieder aus, versucht er damit unangenehme Gefühle zu vermeiden oder schlimme Ereignisse zu verhindern. Ein typisches Beispiel ist ständiges Waschen oder Desinfizieren der Hände aus Angst vor krank machenden Bakterien.

 

Des Weiteren gibt es die posttraumatische Belastungsstörung, die nach einem schlimmen Ereignis auftritt. In diesem Fall kann das Kind nicht mit der Situation abschließen. Es weint etwa den ganzen Tag oder hat häufig Albträume.

 

Zudem hat es Angst, dass sich das Erlebnis wiederholt. Hinzukommen können Panikattacken, in denen dein Sprössling Todesangst verspürt.

 

Ein Psychotherapeut kann dir sagen, welche Art von Angststörung dein Kind hat und wie er diese am besten behandelt.

 

Angststörung bei Kindern Symptome

 

Tipps zum Umgang mit Ängsten bei Kindern

 

Leidet dein Sprössling häufig unter Ängsten, suche gemeinsam mit ihm einen Arzt auf. Dieser klärt zunächst ab, ob es sich wirklich um eine psychische Störung handelt oder eine körperliche Erkrankung vorliegt.

 

Anschließend erfolgt eine Überweisung zu einem Psychologen. Manche Heranwachsende weigern sich zunächst, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. In diesem Fall ist es deine Aufgabe, deinem Schatz klarzumachen, wie ihm eine psychologische Behandlung hilft.

 

Ergänzt werden kann die Gesprächs- oder Verhaltenstherapie beim Psychologen mit Medikamenten, die der Beruhigung dienen. Viele dieser Arzneimittel machen abhängig, wenn sie dein Sprössling über einen längeren Zeitraum hinweg einnimmt.

 

Darum solltest du dich genau an die Dosierungsanleitung des Arztes halten. Du kannst auch gezielt nach homöopathischen Mitteln fragen.

 

Auch darüber hinaus kannst du eine Menge tun, um deinen Sprössling auf dem Weg der Besserung zu unterstützen. Manchmal hilft es, sich so oft wie möglich der Situation zu stellen, die deinem Sprössling Angst bereitet.

 

Am besten vereinbart dein Kind mit seinem Therapeuten, welche Übungen ihr gemeinsam durchführt. Anderenfalls kann eine Konfrontation auch nach hinten losgehen und die Ängste weiter verstärken.

 

Hilfreich bei der Bewältigung einer psychischen Krankheit ist zudem ein starkes Selbstbewusstsein. Wende dich hierfür beispielsweise an einen Kinder- und Jugendcoach. Dieser weiß, mit welchen Methoden und Übungen er die Selbstwirksamkeit bei Heranwachsenden fördert.

 

Und zu guter Letzt: Zeige Verständnis für die Ängste deines Kindes und setze es nicht unter Druck. Mit Geduld und Liebe erreichst du am schnellsten, dass es deinem Sprössling wieder besser geht.

 

Bis eine Angststörung bei Kindern geheilt ist, dauert er mehrere Monate. In schweren Fällen können sogar einige Jahre vergehen.

 

Stehst du deinem Schatz während der Krankheit mit all deiner Liebe bei, schweißt euch das noch weiter zusammen!

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Daniel Duddek

ÜBER DEN AUTOR

Daniel ist der Entwickler des Stark auch ohne Muckis-Konzeptes. Nachdem er im Jahr 2004 eine Entscheidung gegen die schiefe Bahn und für ein starkes und integres Leben traf, widmete er sich dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Mobbing. Das zu einer Zeit, in der fast niemand über das Thema sprach. Er ist Vater von zwei Kindern, Erzieher, ausgebildeter Trainer und Coach und hat sein eigenes System in den letzten 12 Jahren erst entwickelt, dann evaluiert und nun so rund geschliffen, dass es wie ein Schweizer Uhrwerk funktioniert, um Kinder nachhaltig zu stärken.

Daniel Duddek

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